Leserbrief

Flugblatt zur Verschonung Heidelbergs

Zum Artikel „Der NS-Staat funktionierte gerade im Bombenchaos gut“ vom 6. September:

Heidelberg entging der Zerstörung nicht aufgrund von Unbedeutsamkeit, sondern aufgrund der bereits vorhandenen Existenz von Plänen, bezüglich eines US-Hauptquartiers 1944 in Heidelberg. Dies weiß ich gewiss, da mein Großvater im Sommer 1944 ein Flugblatt in unserem Garten mit der Aufschrift: „Heidelberg werden wir verschonen, weil wir 1944 doch dort wohnen“, welches von General Eisenhower gezeichnet wurde, fand und mir jenes zu lesen gab.

Lesen strengstens verboten

Diese Art von Flugblättern waren nicht unüblich und wurden damals zu Hunderten über den Städten nach jedem Bombenangriff ausgeworfen. Der Zivilbevölkerung blieb jedoch das Lesen oder geschweige denn Behalten der Flugblätter strengstens verboten. Uns Kindern wurde damals sogar gesagt, sie seien vergiftet. Flugblätter dienten zur damaligen Zeit hauptsächlich als Propaganda und waren ausschließlich an die Zivilbevölkerung gerichtet. Des Weiteren irrt sich Herr Neitzel, wenn er die Meinung vertritt, dass man Heidelberg nicht leicht gefunden hätte.

Denn bereits am Tage sahen wir die Tagbomberverbände, welche ihre todbringende Last über Mannheim/Ludwigshafen abgeworfen hatten, von Mannheim kommend, Richtung Süden fliegend, nach rund 20 Kilometer Richtung Osten drehend, um dann letztendlich weiter nach Norden zu fliegen, unter sich die Stadt Heidelberg habend.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2P0EFVx