Leserbrief

Fremde sprechen Kinder an: Thema komplett bagatellisiert

Zum Artikel „Wachsamkeit ist wichtig“ vom 25. September:

In Mannheim werden laut Ihrem Artikel dieses Jahr 26 Vorfälle registriert, bei denen Kinder von Fremden angesprochen wurden. In nicht einmal neun Monaten. Das ist eine besorgniserregend steigende Tendenz. 2018 waren es 25, 2017 30 Fälle. Das heißt, Vorfälle dieser Art kommen mittlerweile fast jede Woche vor – und das sind nur die bekannten und gemeldeten Fälle.

Nahezu jede Woche werden Kinder von Unbekannten angesprochen, aufgefordert, in ein Auto einzusteigen oder mit Süßigkeiten angelockt. Direkt vor den Schulen! Und alles, was diskutiert wird, ist was Eltern und Kinder besser machen können. Wachsamkeit ist wichtig. Natürlich sollten Kinder geschult sein, wie sie in solchen Situationen reagieren. Aber Kinder sind Kinder und viele Eltern betreiben heute schon den maximalen Aufwand, um die Sicherheit Ihrer Kinder zu gewährleisten.

Polizeipräsenz spürbar erhöhen

Was in dieser Diskussion viel zu kurz kommt, ist, was die Stadt und die Polizei für Maßnahmen ergreifen, um unsere Kinder im öffentlichen Raum zu schützen! Würden wir jede Woche von einem versuchten Terroranschlag oder jede Woche von einem gemeldeten versuchten Banküberfall sprechen, wäre ziemlich sicher die Polizeipräsenz spürbar erhöht.

Aber wenn Kinder in aller Öffentlichkeit mitten am Tag angesprochen werden, soll das Problem mit fünf Ratschlägen für Eltern und mit einem Appell an die Selbstverantwortung der Kinder gelöst werden? Das ist viel zu kurz gesprungen! Der Kommentar der Lehrerin: „Es ist ja nichts Schlimmes passiert“ belegt, wie dieses Thema komplett bagatellisiert wird und man nur hoffen kann, dass es so bleibt und nicht erst gehandelt wird, wenn es zu spät ist.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/31VTiQn