Leserbrief

Fremdschämen für die Stadt

Zum Artikel „Weniger Glückwünsche vom Rathaus“ vom 24. April:

Mit großer Empörung habe ich die entsprechende Mitteilung der Stadt Mannheim gelesen, die Häufigkeit und das Ausmaß der Präsente für über 100-Jährige zu kürzen. Die vermeintlich „große“ Summe von 6000 Euro soll diese Kürzung der Stadt künftig „einbringen“.

Mir stellt sich die Frage, welcher empathielose Sohn, welche Tochter, welcher Enkel im Controlling auf diese skandalöse Idee gekommen ist?! Gleichwohl sicher wissend, dass die Stadtverwaltung an vielen anderen Stellen weitaus großzügiger Steuergeld verpulvert, ohne das hier auch nur ein Controller etwas anmahnt oder dagegen unternimmt.

Collini Center vernachlässigt

Hierbei darf ich zum Beispiel an die Kosten des Baugerüsts für das technische Rathaus erinnern. Dort entstehen zurzeit täglich (!) Kosten, die dem Jahresbudget für Präsente an ältere Senioren entsprechen. Am Rande erwähnt geschieht das aber auch nur, weil die Stadt es – im Gegensatz zum bewohnten Teil des Collini Centers – über Jahrzehnte sträflich versäumt hat, die üblichen Baupflegemaßnahmen an diesem Gebäude auszuführen!

Jeder Senior, der in Mannheim über 100 Jahre alt wird, hat höchstwahrscheinlich in seinen jungen Jahren nicht unerheblich zum Aufbau dieser Stadt beigetragen. Und diese „dankt“ es ihm nun auf ganz besonders kleinliche Art! Insofern ist nur noch der Begriff des Fremdschämens bei dieser aktuellen Verwaltungspeinlichkeit angemessen.

Originalartikel unter http://bit.ly/2I2B5aS