Leserbrief

Zum Thema Kohlhaas-Inszenierung

Fremdschämen im Nationaltheater

Fünf Jahre, nachdem ich Heinrich Kleists "Michael Kohlhaas" als Lektüre in der Oberstufe gelesen hatte, konnte ich ihn gestern voller Vorfreude im Nationaltheater sehen: mit Entsetzen. Ich kann mir nicht erklären, wo der Drang der Regisseure nach neuen Aufführungen seinen Ursprung findet, aber es ist eine Qual sich eine solche Inszenierung anschauen zu müssen.

Angefangen bei der Darstellung der Vorgeschichte: Man inszenierte die Einführung in das Stück auf einem Tisch mit Playmobil Figuren, die man sonst nur aus den Kinderzimmern kennt, mit "Liveübertragung" durch Kameraaufnahme auf Leinwände. Gefolgt wurde diese Schmach von zu lauten Musikeinlagen, dramatischen Einlagen der Schauspieler als würde man sich in einem Improvisationstheater befinden bis hin zum Schmeißen und werfen von Gegenständen.

Das einzig Positive was man aus diesem Stück mitnehmen konnte war der aktuelle Bezug zu den Occupy Protesten, der meiner Meinung nach sehr gut eingebaut wurde. Zu den Opern im Nationaltheater kann ich nur Positives sagen, die Schauspielaufführungen, die ich bisher gesehen habe in den letzten Jahren, darunter unter anderem Faust, Die Dreigroschenoper und eben der Kohlhaas, kann ich nur sagen: absolutes Fremdschämen.

Wenn das die Art ist, wie dort in Zukunft Stücke aufgeführt werden, dann möchte ich keins meiner Kinder so etwas zeigen. Wenn Kleist einst gewusst hätte, wie man seine Stücke regelrecht in den Dreck zieht, dann hätte er dafür gesorgt, dass sein Stück mit Sicherheit nicht veröffentlicht wird.

Als objektiven Verbesserungsvorschlag: Bitte kennzeichnen Sie in Zukunft, ob es sich um eine "Neumodische Aufführung" am Nationaltheater handelt. Wobei ich nicht weiß, ob man hier noch von neumodisch - oder geisteskrank reden muss oder sollte!