Leserbrief

„Gabe“ des Tötens steckt in jedem

Zum Debattenbeitrag „Ist Töten menschlich, Herr Kröber?“ vom 4.5.:

Ein sehr interessanter Beitrag von Herrn Kröber zum Thema Töten. Es wird nicht oft darüber gesprochen. Und wenn, dann ist dies – Gott sei Dank – meistens so fern von uns, dass wir die schrecklichen Ereignisse auch gleich wieder aus dem Gedächtnis löschen (möchten).

Dabei ist es nun einmal ein Naturgesetz, dass das Böse neben dem Guten existiert. Und wenn es eine Waagschale gäbe, um zu ermitteln, was von beiden Dingen „gewichtiger“ in der Menschheitsgeschichte bisher zutage getreten ist, dann wird es wohl das Böse – auch in uns Menschen – sein. Warum? Die mehr oder weniger ausgeprägte „Gabe“ des Tötens steckt in jedem von uns.

Und zwar, seitdem die Gattung Mensch – speziell der Homo sapiens – alle anderen Menschenarten und viele Tierarten weitestgehend ausgerottet hat. Und so seit mehr als 100 000 Jahren den sogenannten Sprung an die Spitze der Nahrungskette gewaltsam eingenommen hat. Leider scheitert(e) hierbei wohl die dem Sapiens „zugesprochene“ Weisheit.

Töten steckt somit mehr oder weniger ausgeprägt irgendwo in dem ganz speziellen Genom des Einzelnen. Die menschliche Evolution hat hierbei wohl die eher aggressiven neben den sanftmütigen „Typen“ entstehen lassen? Und diese Entwicklung und der eventuelle Ausbruch von Tötungsdelikten hat mit Sicherheit auch etwas mit dem Umfeld eines heranwachsenden Individuums zu tun.

In Erziehung investieren

Ein „falsches Umfeld“ und fehlende Geborgenheit können der Grundstein für spätere Straftaten sein. Ja, es ist zum Glück in unseren Breitengraden so, dass der „Normalbürger“ gar keinen Grund zum Töten hat. Wäre da nicht noch der Hass, der Neid, Machtgehabe, Rachegefühle und wer weiß was noch für niedere Beweggründe. Aber entsprechende Gesetze und Exekutive halten auch dies weitestgehend in Schach. Zumindest in halbwegs gesitteten Territorien. Wenn es nun so ist, wie Herr Kröber schreibt, „Gewalt ist normal, menschlich“, kommen mir sofort die Kinder in den Sinn. Was in der Erziehung und Ausbildung der Kleinen und Jugendlichen versäumt wird, soll später zum Teil der Strafvollzug richten? Falsch!

Investiert mit allen nur möglichen Mitteln in die Erziehung und Bildung der Kinder und Heranwachsenden. Nicht nur geistig, sondern gerade auch körperlich. Da hilft sicherlich auch eine bessere Bezahlung der Erzieher und Ausbilder. Aber auch durch bezahlbare – besser noch – subventionierte, Breitensportangebote und anderes mehr. Für alle Altersgruppen. Und lasst nebenbei nicht ausgerechnet auch noch die Sportstunden in den Schulen immer wieder ausfallen. Dann werden überschüssige Kraftprotzereien und Gewaltanwendungen im Alltag hoffentlich seltener in Erscheinung treten. Und das durch Erziehung, Anerkennung und Achtung anderer! Ergo Tötungsdelikte.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2HxmHrl

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