Leserbrief

Leserbrief Zur Bildungspolitik in Baden-Württemberg

Ganztagsschule verändert das gesellschaftliche Leben

Die Bildungspolitik hinterlässt in Baden-Württemberg ihre Spuren. Man glaubt mittlerweile am Beispiel der Ganztagesschule an Internaten den positiven Aspekt der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls zu sehen. Die Übernahme dieses ganztägigen Internatssystems in den normalen Tagesschulbetrieb würde aber das gesellschaftliche Leben in den Kommunen und in der Familie gravierend verändern.

Deshalb stellt sich die Frage: Ist die Ganztagesschule im normalen Schulbetrieb ein Segen oder ein Fluch?

Verbände und Vereine leiden

Die Organisationen, Gruppen, Verbände, Vereine und Sportvereine haben die negative Veränderung durch die Ganztageschulen alleine zu tragen. Die Kinder und Jugendlichen melden sich wegen schulischer Belastung von den Vereinen ab. Die etwas älteren Jugendlichen haben keine Zeit mehr, ehrenamtlich in den Organisationen und Vereinen als Jugendbetreuer oder Trainer tätig zu sein.

Somit wird jungen Menschen die langsame Übernahme von Verantwortung in einem Verein bis hin zum Vorstandsmitglied nicht mehr vorgelebt.

Diese künstlich erzeugte, schulische Bruchstelle im Gesellschaftsleben in allen Städten und Gemeinden muss ins Blickfeld der Bürger gerückt werden.

Personelle Mangelerscheinungen

Die personelle Mangelerscheinung in den Organisationen und Vereinen muss in Zukunft von der Kommune aufgefangen werden. Ein Vereinslotse ist als direkter Ansprechpartner im Rathaus sofort einzurichten, um die Organisationen und Vereine von der Verwaltungsbürokratie zu befreien.

Aufgrund des demografischen Wandels, darf hier keine gemeindliche Bequemlichkeit aufkommen durch Wegschauen. Eine bestehende kränkelnde Organisation zu unterstützen ist leichter, als einen aufgelösten Verein wieder ins Leben zurückzurufen.

Mit dem Sterben von Vereinen stirbt auch langsam die musikalische, kulturelle und sportliche Aktivität in dem historisch gewachsenen Gemeinschaftsgefüge der Kommune. Diese gravierende Veränderung wird in der kommenden Amtszeit für die neu zu wählenden Stadt - und Gemeinderäte eine große Herausforderung.