Leserbrief

Ganztagsschulen – Eltern die Wahl lassen

Zum Artikel „Künftiger Mannheimer Bildungsdezernent: ,Mein Ziel sind mehr Ganztagsschulen’“ vom 26. Juli:

Mit Interesse haben wir das Interview gelesen. Herr Grunert teilt hier mit, dass er großen Wert auf die Qualität der Kinderbetreuungsangebote in Mannheim legt. Dass diese Qualität besonders, oder nur in Ganztagsschulen gewährleistet sein sollen, leuchtet uns allerdings nicht ein.

Gerade für Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren, ist die Beziehung zu und die Bindung an ihre Eltern als engste Bezugspersonen wichtig. Eine Trennung, die jeden Tag und dazu den ganzen Tag andauert, ist nicht zum Wohl des Kindes. Es steht außer Frage, dass es Eltern gibt, die eine Ganztagsbetreuung für ihre Kinder wünschen und auch brauchen. Es steht aber auch außer Frage, dass es Eltern gibt, die eine Ganztagesbetreuung ihrer Kinder weder brauchen, noch möchten.

Vorbild Finnland

Laut einer Studie der Zeitschrift „Eltern“ aus dem Jahr 2013 wollen 87 Prozent aller Eltern ein flächendeckendes, aber freiwilliges Nachmittagsangebot. Kinder und Jugendliche bestätigen das immer wieder: Ihr Wunsch ist mehr Zeit für Familie und Freunde.

Der derzeitige Lehrermangel lässt kaum ein gutes Zahlenverhältnis von Lehrkräften zu Kindern erwarten. Sind unter diesen Umständen wirklich beste Chancen für Kinder in Ganztagsschulen gegeben? In Finnland, das bei den Pisatests sehr gut abgeschnitten hat, endet der Schulunterricht um 13 Uhr; ein deutliches Zeichen für Qualität! Uns sind viele Eltern bekannt, die wünschen, dass ihre Kinder Halbtagesschulen besuchen.

Es gibt bereits ehrenamtliche Angebote, wo die Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder nachmittags zu fördern. Aus den genannten Gründen halten wir verpflichtende Ganztagsschulen für nicht geeignet. Falls diese aber angeboten werden, so ist es wichtig, dass in örtlicher Nähe von Wohngebieten auch freiwillige Ganztags- oder Halbtagsschulen angeboten werden. In einer Demokratie sollten Eltern ohne zwingende staatlichen Vorgaben selbst entscheiden können, in welche Schulen ihre Kinder gehen sollen.

Hier werden Weichen fürs Leben gestellt, und hier sollte Wahlfreiheit gegeben sein.

Ruth Treitz, Mannheim

Norbert und Katharina Kall, Mannheim

André und Tabea Schmalz, Mannheim

Thorsten und Martha Janik, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2YRdGQa