Leserbrief

Zum Thema "Hotel in Hundertmorgen" im Umfeld von Total

Geschäfte in der Stadt werden kaum davon profitieren

Hochinteressant, wie man sich den Tourismus in Ladenburg "schönrechnet". 50,3 Prozent Übernachtungen - im Sommerhalbjahr! Die restlichen 180 Tage des Jahres - was ist mit denen? Diese Zahlen sollten wohl nicht öffentlich werden. Es ist vermutlich nicht besser als in früheren Zeiten, als die kleinen Familienbetriebe (auskömmliche Preise vorausgesetzt) im Jahresdurchschnitt bei 30 bis 40 Prozent herumkrebsten und die Kettenhotels nur dank massiver Preisdrückerei ihre Betten in diesen Monaten ausreichend belegen konnten.

Nur um die Unkosten zu decken, braucht ein privates Hotel eine Belegung von rund 45 Prozent, und erst ab da hat der Inhaber "nicht nur fürs Essen und Schlafen" gearbeitet, wie mir einmal ein Betriebsberater erklärt hatte. Die Stadt hat sich noch nie - außer mit schönen Worten - für ihren Tourismus und dessen Potenzial engagiert.

Schon Bürgermeister Schulz hatte von uns Hoteliers verlangt, das Faltblättchen (das wir bei Gästeanfragen als Werbung für die Stadt beilegen wollten und unser Porto erhöht hätte ), von der Stadt zu kaufen. Dazu war ich nicht bereit. Schließlich hätte ich damit für die Allgemeinheit geworben, und unsere Gäste ließen ihr Geld ja nicht nur bei uns. Viele Einzelhandelsgeschäfte (die dann ihre Steuern an die Stadt bezahlten) hatten von ihnen profitiert. Schlussendlich mussten wir uns im "Alten Kloster" auf unsere eigene Werbung konzentrieren.

Von dem geplanten Neubau draußen bei Total werden die innerstädtischen Geschäfte aber kaum etwas haben. Durch anfängliche "Lockpreise" werden den kleinen Familienhotels in der Altstadt noch ein paar Gäste mehr abspenstig gemacht. "Konkurrenz belebt das Geschäft" - bis es sich "überlebt" hat. Bei der Betriebsstruktur, die da entstehen wird, werden nur die offiziellen Übernachtungszahlen "geschönt" werden, zum Stolz der Stadtverwaltung.