Leserbrief

Geschichtsträchtiger Damm

Zum Artikel „Unser Stadtteil ist im Rathaus offenbar nicht von Bedeutung“ vom 2. Februar:

Dammsanierung durch Bäumefällen! Ich wohne seit meinem sechsten Lebensjahr nahe dem Rhein an der Speyerer Straße. Das Rheinufer hatte einst noch einen anderen Verlauf. Zum Schutz der Häuser auf dem Neubaugebiet Lindenhof stand damals schon ein Damm. Darauf lockte das Restaurant Rheincafé die Spaziergänger. Am Ufer gab es eine Einbuchtung als Hafen.

Spielfeld zum Fröschefangen

Beim Bau meines Elternhauses erschreckte die Bauleitung über die Tiefe des Hinterland-Niveaus, die eine doppelte Unterkellerung unbedingt nötig machte.

Mit gutem Grund, denn bei jedem Hochwasser des Rheins überschwemmte dieser das ganze Land hinter seiner Krümmung – sprich das heutige Niederfeld. Für uns Kinder war es ein Spielfeld zum Fangen von Fröschen und Sammeln von Muscheln.

Schon damals fraßen sich unzählige Ratten durch den Damm, um an die fruchtbaren Schrebergärten zu gelangen. Noch heute ist der gesamte Damm, vom Lindenhof bis zum Wasserwerk, durchlöchert.

Vielen Spaziergängern auf der Rheinpromenade ist nicht bewusst, auf welchem Baugrund sie laufen: Während einer Nacht im Zweiten Weltkrieg ließen damals feindliche Bomber so viel Sprengstoff fallen, dass kein Haus auf dem ganzen Lindenhof unversehrt blieb. Das Gebäude der Firma Lanz, das eigentliche Ziel der Angriffe, wurde fast vollständig zerstört.

Mein Elternhaus an der Speyerer Straße konnten meine Mutter, ich und liebe Nachbarn nur retten, weil in der Nachbarschaft ein Ziehbrunnen Wasser führte und eine intelligente junge Nachbarin wusste, dass man die vielen Stabbomben, die im Haus steckten, nicht mit Wasser, sondern mit Sand und Erde ersticken musste. Hilfe, für die ich heute noch dankbar bin.

Spannende Vergangenheit

Noch heute bewundere ich die Nachkriegsfrauen, die Schienen legten für Loren, auf denen sie den gesamten Schutt der zerbombten Trümmer am Rheinufer abluden – und somit der schönste Park am Rhein entstand.

Meine Zeilen sollen an die Geschichte dieses Dammes erinnern.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2EO6goC