Leserbrief

Grams liegt falsch: Homöopathie wirkt

Zum Debatten-Beitrag "Wo liegen die Grenzen der Homöopathie, Frau Grams?" vom 14. Oktober:

Ich bin seit 30 Jahren als niedergelassener Arzt in eigener Praxis tätig. 20 Jahre lang als Kassenarzt mit Betreuung meiner Patienten durch sowohl schulmedizinische als auch homöopathische Interventionen, seit etwa zehn Jahren in einer rein homöopathischen Praxis.

In meiner Zeit als Kassenarzt - und das sind nicht meine Statistiken, sondern die der Kassenärztlichen Vereinigung - lag mein Verbrauch an schulmedizinischen Arzneien, insbesondere an Antibiotika deutlich unter dem meiner rein schulmedizinisch arbeitenden Kollegen. Aus meiner Sichtweise ist dieser Umstand ein Beleg dafür, dass Homöopathie wirkt. Antibiotika muss ich nur in Notfällen, also äußerst selten verwenden, in der Behandlung des Bluthochdrucks reduzieren mitbehandelnde Internisten regelmäßig Blutdruckmittel oder setzen sie sogar ab, wenn eine solche Therapie mit homöopathischen Arzneien kombiniert wird.

Es gibt Hunderte von Studien zur Homöopathie und Frau Grams müsste sagen, welche sie meint. In dieser Allgemeinheit ihrer Argumentation ist es nicht möglich, über Studien zu diskutieren, die Bewertung von Studien ist eines der schwierigsten Themen in der Medizin. Auf der Argumentationsebene von Frau Grams könnte ich auch behaupten, Antidepressiva seien nahezu unwirksam und Cholesterinsenker hätten keinen Einfluss auf die Überlebenszeit erkrankter Menschen, weil es durchaus Studien gibt, die genau dieses aussagen.

Frau Grams ist in ihren Aussagen allgemein und nennt keine Fakten - die Werbefilmchen und Hochglanzprospekte kenne ich eher nur von Pharmavertretern, die ich dann auch irgendwann konsequenterweise nicht mehr empfangen habe. Ich selbst habe eine Homöopathie-Schule geleitet und kenne die von Frau Grams berichtete Anekdoten nicht, auch nicht von Kollegen. Ich persönlich würde schon gerne wissen, an welcher Homöopathie-Schule die berichteten Filmchen vorgeführt wurden.

Richtig falsch - auch im derzeit gültigen wissenschaftlichen Sinne - wird es, wenn sie Ähnlichkeit und das Konzept der Lebenskraft als Magie bezeichnet. Ähnlichkeit ist ein allgegenwärtiges Phänomen, Frau Grams würde ihren Mann auf der Straße nicht erkennen und kein Arzt könnte ein Röntgenbild beurteilen, wenn wir nicht mit der Ähnlichkeit arbeiten würden. Ähnlichkeit wird und wurde von allen bedeutenden Philosophen diskutiert.

Das Konzept der Lebenskraft wurde nie wissenschaftlich widerlegt, allerdings stillschweigend fallengelassen, weil mit diesem Konzept die heutige objektivierende, analysierende und reduktionistische Methode nicht gut durchführbar ist. Frau Grams müsste auch sagen, welche Wissenschaft sie meint. Ich nehme an, dass sie nur objektive Erkenntnis gelten lassen will. In dem Fall muss sie sich sagen lassen, dass die sogenannte Schulmedizin nicht objektiv handelt. Das wird ebenfalls durch Studien belegt, etwa zum Wert der sogenannten Krebsvorsorge. Die heute in der Wissenschaft genutzte Erkenntnismethode geht übrigens auf den Philosophen René Descartes zurück, der mehr als 150 Jahre vor Hahnemann lebte.

Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass es nicht darum gehen kann, ein Entweder-oder zu diskutieren. Die Homöopathie kann hilfreich sein, wenn die Schulmedizin versagt - und die Schulmedizin ist für mich dort wichtig, wo ich als Homöopath nicht weiter komme, zum Beispiel durch Diagnostik oder chirurgische Interventionen.

Ich möchte gerne Frau Grams raten, nicht hochmütig zu sein: Dass wir es zurzeit in Mitteleuropa nicht mehr mit verheerend verlaufenden Infektionskrankheiten und Seuchen zu tun haben ist sehr viel mehr einer verbesserten Hygiene und Ernährung als dem medizinischen Fortschritt zu verdanken. Auch dazu gibt es genügend eindeutige wissenschaftliche Literatur von Medizinhistorikern und Medizinsoziologen.

Ich habe zusätzlich die Blogs von Frau Grams gelesen und es drängt sich mir der Eindruck auf, dass sie als Sprachrohr gewisser Leute im Kampf um die rarer werdenden Fleischtöpfe im Gesundheitswesen fungiert. Daneben vermarktet sie sich und ihre Bücher mit einem Thema, das im Moment zieht. Um sie ernst nehmen zu können, müsste sie belastbare Fakten nennen. Das tut sie nicht, und da, wo sie es versucht, liegt sie nachweislich falsch.

Die Homöopathie begleitet mich und meine Haustiere nun schon über 40 Jahre. Sie hat mir fast immer geholfen, Erkrankungen schnell und ohne schädliche Nebenwirkungen zu überwinden. Zugegeben, es gab auch Krankheiten, bei denen ich mir nicht selbst mit der Homöopathie helfen konnte, und ich mich in allopathische Medizintherapie begeben musste, aber für diese Fälle brauche ich nicht mal fünf Finger zum Aufzählen.

Mein Fazit: Vor allem bei chronischen Erkrankungen versagt oft die Allopathie. Natürlich kann man nicht alle Erkrankungen mit Homöopathie heilen, aber sehr viele. Und wenn Tiere durch Homöopathie geheilt werden, kann man nicht von einem Placebo-Effekt sprechen. Homöopathie ist kein wissenschaftliches Allheilmittel, aber letztendlich gilt doch: Wer heilt, hat Recht.
(Angelika Jöst, Mannheim)

"Ich bin entsetzt"

Ich bin entsetzt über diesen Bericht. Auch wenn die Dame ein Buch geschrieben hat, gibt es ihr noch lange nicht das Recht, die Homöopathie in Frage zu stellen.

Ich kann erahnen, dass die Pharmaindustrie dahinter steckt, denn die bestimmen ja unsere Medizin (egal zu welchem Preis).

Ein ganzes Leben lang begleitet mich die Homöopathie, bestimmt auch viele andere; Homöopathen gibt es auf der ganzen Welt, aber es würde viel zu weit führen, weiter zu berichten.
(Renate Pfrang, Ilvesheim)

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