Leserbrief

Gutmenschen müssen sich wehren

Zum Leserbrief „Leser über den Sarotti-Mohr“ vom 26. März:

Ich möchte mich zum Sarotti-Mohren im Capitol nicht äußern. Aber ein, zwei Bemerkungen im Leserbrief von Angelika Kizilbey fallen mir auf. Sie schreibt: „Es geht mir persönlich ziemlich auf den Geist, dass es immer mehr um sich greift mit diesem ‚Ach hoffentlich haben wir niemandem auf die Füße getreten’ von den Grünen, von diesen ewigen Gutmenschen hier in Deutschland.“

Ich bin kein originär Grüner, aber als Gutmensch möchte ich mich schon bezeichnen. Denn als ich vor Jahrzehnten zum Studium nach Mannheim kam und eine abgebrochene Krankenpflegerausbildung mitbrachte, da bin ich als Ausgleich zum Studium und rein ehrenamtlich Rettungswagen gefahren und habe für die Hilfsorganisation auch noch andere Dienste geleistet. Vielleicht, Frau Kizilbey, habe ich Sie damals versorgt, als Sie (nur ein Gedankenspiel) mit allergischer Reaktion auf einen Insektenstich ins Sanitätszelt gewankt kamen. Wir haben damit auch einen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen geleistet.

Auf einem guten Weg

Sind Sie mir böse, wenn ich auf unser Gutmenschentum von damals heute in der Rente und im Rückblick noch ein bisschen stolz bin? Aber ich kann es auch jetzt nicht lassen. In einer kirchlich geführten Seniorenanlage bin ich wieder ehrenamtlich unterwegs.

Auch Gutmenschen müssen sich mal wehren. Und deshalb finde ich es auch gar nicht schlimm, auf einen Begriff wie „Zigeunerschnitzel“, bei dessen Verwendung Sie sich diskriminiert fühlen, zu verzichten. Stehen dahinter doch Menschen, die man, abgesehen von den Verbrechen des Nationalsozialismus, stets herablassend, ausgrenzend behandelt hat. Bei den Roma ist das lange nach 1945 noch so gewesen, vielleicht in Ansätzen noch immer so. Trotzdem ist Gesellschaft heute inklusiv, genauer: Wir sind auf dem (guten!) Weg dahin. (Joachim Wagner, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2HLjS8i