Leserbrief

Halbwissen der größte Feind

Zum Artikel "Politiker haben keine Ahnung" vom 13. September:

Rasch Angelesenes, aber nicht Verstandenes wird dem tumben Bürger als zukunftsweisende Politik verkauft. Halbwissen ward immer schon der Menschheit größter Feind. Dass zahlreiche Bürger mitdenken und durchaus in der Lage sind zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden, wirkt dabei eher störend. Noch kurioser gestalten sich die Dinge bei Energiedebatten. Sogenannte Fachleute, bar jeglicher Kenntnisse sowie unfähig elementarste physikalische Grundbegriffe korrekt anzuwenden, dürfen ungestraft unglaublichen Unsinn dem Bürger zumuten.

Ein Bonmot der besonderen Art leistete sich eine Abgeordnete aus dem Süden Deutschlands. Zitat: "...wenn das Ohm'sche Gesetz den Transport der Windenergie von der Nordsee nach Bayern erschwert, dann muss dieses Gesetz umgehend abgeschafft werden!" In der Schule hieße das: setzen Note 6. Nicht so in der Politik. Man möchte es nicht fassen, selbst diese, an Dummheit kaum zu überbietende Forderung wurde von den Parteifreunden mit Beifall bedacht.

Wie richtig ist doch die Überschrift "Politiker haben keine Ahnung". Talkshows und Rededuelle sind ein Quell der Heiterkeit oder sollte man eher weinen ob der Ahnungslosigkeit unserer Staatslenker? Belehrungsresistenten Abgeordneten möchte man - ähnlich wie im römischen Senat - zurufen "...hättest du geschwiegen, wärest du ein Weiser geblieben."

Kein Befähigungsnachweis

Für alle Berufe wird in Deutschland ein Befähigungsnachweis gefordert. Das ist gut so und hat Tradition. Für politische Ämter gilt das nicht. Personen und Funktionen sind beliebig austauschbar. Heute Experte für dies und morgen für jenes, selbst eine Mindestqualifikation ist kein Muss. In der Wirtschaft ein Unding, in der Politik geübte Praxis. Aber seien wir nachsichtig "...auch wenn es am Können gebricht, so ist doch der Wille zu loben!"