Leserbrief

„Heimatland“ überholt

Zum Artikel „Verhalten der SPD war beschämend“ vom 18. Juli:

Im abgedruckten Interview wird der Abgeordnete Daniel Caspary mit dieser Aussage zitiert: „Das Verhalten der SPD war beschämend. Es ist unglaublich, dass ausgerechnet aus von der Leyens Heimatland so viele Nein-Stimmen bei der Abstimmung kamen.“ Diese Aussage ist bemerkenswert. Es handelte sich um eine Abstimmung auf EU-Ebene.

Es widerspricht der Intention der Europäischen Union, dass nationale Interessen über allem stehen. Abgeordnete eines Landes zeigen im Gegenteil Reife, wenn sie sich über diese nationalen Interessen zugunsten des Gesamten hinwegzusetzen vermögen.

Trümmerhaufen in Geschichte

Zweitens sollte die Kompetenz der Kandidatin den Ausschlag geben, nicht deren Heimatland. Drittens finde ich den Gebrauch des Begriffes „Heimatland“ in diesem Zusammenhang antiquiert, auch durch einen CDU-Abgeordneten. Übrigens muss man den Begriff auch nicht geografisch definieren.

Die SPD hat in ihrer Geschichte zahlreiche beschämende Aktionen vollbracht, und einige, für die dieser Begriff noch zu schwach wäre. Das Verhalten der Sozialdemokraten bei der Wahl Ursula von der Leyens gehört ganz sicher nicht dazu.

Im Gegenteil finde ich es beschämend, wenn ein Abgeordneter die Nation, oder, um mit Daniel Caspary zu sprechen, das Heimatland, also eine gemeinsame geografische oder vielleicht sogar biologische Herkunft zum Maß der praktischen Politik macht. Diese Einstellung hat in der Geschichte immer nur Trümmerhaufen produziert.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2MlySeI