Leserbrief

Zum Thema Bundesgartenschau / Leserbrief vom 9. Oktober

Herablassender Ton

Hans-Peter Schwöbel freut sich auf die Bundesgartenschau. Das liegt entweder daran, dass er ein offenkundiger und blauäugiger Bewunderer von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz ist. Oder es liegt daran, dass er von den Umwälzungen in der Feudenheimer Au überhaupt nicht betroffen ist.

Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen ist, dass Herr Schwöbel das unterirdische Niveau von Leserbriefen - zu Recht - beklagt und zugleich noch durch pauschale Beschimpfung aller BUGA-Gegner unterbietet. Dazu kommt, in einem herablassenden Ton, den er als charakteristisch für die Christen untermauert, eine niveaulose Unverschämtheit gegenüber einer demokratischen Partei, die in Mannheim deutlich besser abgeschnitten hat, als er erhoffte - im Gegensatz zum schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten für seine Partei, die SPD. Derartige Diffamierung Andersdenkender ist selbst eines aktiven Sozialdemokraten unwürdig.

Die zweite Schwöbel-Schwachstelle ist die schlecht begründete Verteidigung der Bürgerinformation. Natürlich kann sich jeder vorstellen, dass ein ehemaliges Militärgelände nicht zwingend ein Hort der Sauberkeit und Reinheit sein muss.

Aber auf Coleman hat das Regierungspräsidium erst kürzlich eine unbegreifliche Zahl schützenswerter Organismen gefunden. Hätte auch das "jedes Kind gewusst"? Nein. Es ist die originäre Aufgabe unserer öffentlichen Verwaltung die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt umfassend, unverzüglich und ungekürzt zu informieren. Dass die tatsächliche Qualität der Bodenverschmutzung nur teilweise - und dann erst weit nach dem Bürgerentscheid - durchgesickert ist, ist ein handfester Skandal.

Auch ein talentierter Wortkünstler kann das nicht wegdiskutieren. Am Ende erlaubt sich Herr Schwöbel dann einen letzten Fauxpas. Er behauptet steif und fest, dass Mannheim die Bundesgartenschau will. War er nicht am Abend des Bürgerentscheids gedanklich ganz nah an seinem OB-Parteifreund, der mit zitterndem Geist jeden ausgezählten Stadtteil abwartete und hoffte, dass am Ende die Mehrheit - seine Mehrheit - steht? Eine knappe Mehrheit sagte im September letzten Jahres Ja zur Buga. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.