Leserbrief

Hetze gegen Juden leider wieder gesellschaftsfähig

Zum Artikel „Anfänge haben wir schon hinter uns“ vom 29. Januar:

Es ist in diesem Land erneut gesellschaftsfähig geworden, gegen Juden zu hetzen. Und Politiker der AfD – inzwischen im Bundestag und allen Landtagen vertreten – leisten mit offen antisemitischen oder mit relativierenden, geschichtsverfälschenden Äußerungen dieser Hetze Vorschub. Oft bleibt es nicht bei Hetze und Schmähungen, auch tätliche Angriffe gegen Juden nehmen in erschreckender Weise zu. Wenn also der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mannheim davon spricht, dass sich viele Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland inzwischen überlegen, „ob wir wieder die Koffer packen müssen“ so ist das für alle Demokraten in diesem Land ein ernüchternder Befund.

Bemerkenswerter Dialog

Ein Befund freilich, mit dem wir uns nicht abfinden dürfen. Nicht zuletzt aus unserer historischen Verantwortung heraus ist es die Aufgabe aller Demokraten, sich jeglichen antisemitischen Tendenzen in unserer Gesellschaft entschieden entgegenzustellen. Wie das im Alltag geschehen kann, haben auf der Veranstaltung die Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen in beeindruckender Weise gezeigt! In verschiedenen Projekten hatten sie sich mit dem aktuellen Antisemitismus und der Frage, wie man ihm begegnen kann, auseinandergesetzt.

Bemerkenswert dabei war, wie einer der Schüler im Dialog mit dem Publikum auf der klaren Unterscheidung zwischen Antisemitismus und legitimer Kritik an der israelischen Regierung bestand. Eine Unterscheidung, die mir unter anderem wegen der israelischen Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten oder wegen des im Juli 2018 im israelischen Parlament verabschiedeten „Nationalitätengesetz“ wichtig erscheint. Gerade als Freund der israelischen Bevölkerung, aber auch mit Blick auf die Lebensinteressen der Palästinenser und nicht zuletzt im Hinblick auf einen wünschenswerten Friedens- und Aussöhnungsprozess muss die Politik der israelischen Regierung kritisiert werden.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2D96W7r