Leserbrief

Heute genügen Diplom und Doktortitel

Zum Debattenbeitrag „Was bedeutet Fairness im Job, Herr Mayer?“ vom 13. Juni:

Mich stört der Duktus ihres Beitrags gewaltig, Herr Mayer. Als Sportpsychologe sprechen Sie von Offenheit, Vertrauen und Entscheidungskraft der Führungskompetenten. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt als Meister, der was ersann, zuvor die Stufenleiter erklommen hat und nicht anderen beim Schaffen zusah, nachdem er ein wenig hineingeschnuppert hat.

Wie hoch mag heute wohl der Anteil in Führungskadern sein, die nicht nur studierte Theoretiker sind, sondern wissen, wie es sich anfühlt, wenn man sich leistungswillig den Arsch aufreißt? Was haben sie außer ihrer innovativen Ideen und Durchsetzungswillen in Karrieredenke an Persönlichkeit zu bieten? 150 Jahre galt das Werk von General Clausewitz als die Bibel aller Manager. Heute genügen Diplom und Doktortitel, gepaart mit Anmaßung und Zungenfertigkeit, um Königin der fleißigen Ameisen zu werden.

Durch dick und dünn

Ein Fairness-Schuh wird draus, wenn sich aus dem Kreis der Aktiven fähige Macher herauskristallisieren, denen allein schon aufgrund ihres Leistungsnachweises willig gefolgt wird. Alle anderen – und mögen sie noch so ausgebufft sein, sollten demütig und bescheiden ihre Managerrolle und Weisungskompetenz annehmen, sich nicht als Chefs im Ring aufspielen. Denn das fünfte Prinzip fairer Führung haben Sie unterschlagen: jederzeit bereit und in der Lage zu sein, mit den Folgewilligen durch dick und dünn zu gehen!

Andreas Weng, Mannheim

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