Leserbrief

Hilflosigkeit, Ohnmacht oder gar Schicksalergebenheit

Zum Artikel „Stadt hat keine Möglichkeit“ vom 26. Juli:

Schon die Überschrift klingt doch sehr nach Hilflosigkeit, Ohnmacht oder gar nach Schicksalergebenheit. Wie einfach macht es sich doch die Stadtverwaltung mit dieser Feststellung!

Im Umkreis von Frankfurt haben bereits mehrere Gemeinden gemeinsam Klage gegen Fraport eingeleitet. Uns Bewohner der Gartenstadt werden die geschönten Zahlen der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgetragen, wie viele Flugzeuge pro Tag die Stadt überfliegen.

Wir sind selbst aktiv geworden: Wir Bewohner haben in der Woche vom 22. bis 29. Juli Protokoll über die deutlich hörbaren Überflüge geführt und kamen zu dem Ergebnis, dass es täglich 257 Flüge sind! Nach 23 Uhr waren es gestern noch bis 23.21 Uhr fünf Flüge mehr!

Ein Blick in die Zukunft lässt noch Schlimmeres befürchten: Es werden wegen des ständig steigenden Flugaufkommens noch deutlich mehr Flüge tiefer gelegt werden. Muss denn jetzt schon bei geplanten Bauvorhaben im neuen Stadtteil Franklin dieser zunehmende Fluglärm als Nachteil mitbedacht werden?

Die Hoffnungen der Betroffenen auf Unterstützung gegen den ständig zunehmenden Fluglärm im Mannheimer Norden wurden schwer enttäuscht. Auf der Bezirksbeiratssitzung vom 17. Juli präsentierte Herr Kiefer von der Stadt Mannheim Grafiken und Grenzwerte der Deutschen Flugsicherung.

Sie reichten allerdings nur bis Darmstadt. Mannheim ist darin gar nicht erfasst. Er versicherte, dass alle Flugbewegungen im Rahmen der gesetzlichen Regelungen verlaufen, sowohl, was die erlaubte Flughöhe (300 Meter!) als auch, was die erlaubten Ausnahmen vom Nachtflugverbot betrifft. Die Realität sieht anders aus: Zwischen fünf und 23 Uhr dröhnen täglich Flugzeuge über den Mannheimer Norden. Nachts sind neben den erlaubten auch zusätzlich noch unerlaubte Flieger unterwegs. Die Leiterin der Sitzung, Frau Baier von den Grünen, forderte die Betroffenen auf, ein Lärmtagebuch zu führen und sich an die zuständigen Abgeordneten und Bundesbehörden zu wenden. Ist es zynisch und enttäuschend von den Vertretern der Stadt, den Einsatz für eine lebenswerte Stadt an die einzelnen Bürger zurückzugeben? Sieht so die Verantwortung der Stadt für die Gesundheit und Lebensqualität ihrer Bürger aus? Wie vereinbart sich diese Haltung mit den Nachhaltigkeitszielen 2030?

Was hindert die Stadt Mannheim daran, sich wie andere Gemeinden zum Beispiel für folgende Maßnahmen einzusetzen: Einrichtung von Lärmmessstellen, Einhaltung des Nachtflugverbots, Rückkehr zu den ursprünglichen Flughöhen?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2KhWxtE