Leserbrief

Honorarsituation der Ärzte öffentlich diskutieren

Zum Artikel „Das bringt Spahns Termin-Gesetz“ vom 15. März:

Eines muss man Herrn Spahn schon lassen, er ist ständig bemüht und befleißigt sich sogar, Struktur in einen so scheinbar von den niedergelassenen Ärzten nicht zu lösenden Termin-Wirrwarr zu bringen. Alle Achtung! So will Herr Spahn eine schnellere Termingabe für Kassenpatienten erreichen, indem er den Ärzten einen Zehn-Euro-Schein als Bonus in Aussicht stellt.

Hierzu kann zunächst gesagt werden, dass selbige zehn Euro größtenteils in der Bürokratie versickern werden. Zweitens werden selbige zehn Euro an einer anderen Stelle wieder eingespart werden, sprich eine andere ärztliche Leistung wird noch geringer oder gar nicht mehr bezahlt werden, um diese Kosten wettzumachen. Denn: Noch haben wir einen gedeckelten Betrag für Arzt-Honorare, die keine weiteren Ausgaben zulässt, es sei denn, man spart sie – wie eben beschrieben – an anderer Stelle ein.

Politik verantwortlich

Zweitens: Wie soll eine Termin-Vermittlung rund um die Uhr funktionieren? Sollen die Ärzte analog zu dem Notdienst abwechselnd rund um die Uhr erreichbar sein? Selbstverständlich kostenlos. Es wurde ja auch schon mehrfach vorgeschlagen, dass die niedergelassenen Ärzte ihre Praxen auch samstags öffnen sollten, kostenlos.

Wie wäre es, Herr Spahn, wenn Sie endlich einmal die Ursache fast allen Übels an der Wurzel packen und endlich die Honorarsituation der Ärzte öffentlich diskutieren würden? Ständig graben Sie die alten Klischees über die reichen, gut verdienenden Ärzte hervor, und argumentieren wider besseren Wissens, dass die Ärzte bei endlich ausreichender Mehrarbeit auch mehr Geld erhalten würden. Bringen Sie doch die Tatsachen auf den Tisch und berichten Sie, dass die Ärzte aufgrund der erwähnten festgeschriebenen Deckelung rund vier Wochen im Quartal umsonst arbeiten, da das zugestandene Budget aufgebraucht ist. Unabhängig davon werden erbrachte (per se schon unterbezahlte) Leistungen wie mehrere notwendige Hausbesuche (Honorar 5,34 Euro) nur ein Mal pro Quartal bezahlt und so weiter.

Weiterhin wird die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin bemängelt, die es zu beseitigen gilt. Nehmen Sie und Herr Lauterbach es bitte endlich zur Kenntnis, dass nicht die Ärzte die Zwei-Klassen-Medizin eingeführt haben, sondern verantwortlich war die Politik im Jahre 1949. In der Zwischenzeit haben wir ein Zwei-Klassen-Honorarsystem: Die Privatkassen bezahlen im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen die notwendigen Behandlungen. Die Ärzte erhalten von den gesetzlichen Kassen Honorare, für die Sie, Herr Spahn, sich schämen müssten. Vielleicht schauen Sie sich im Vergleich dazu die Situation in der Schweiz und in Österreich an. Stattdessen versuchen Sie, die Situation in den Griff zu bekommen, indem Sie mit der Zehn-Euro-Note winken.

Der Ärztemangel ist ebenfalls von den Politikern hausgemacht. Welcher Abiturient will schon dieses Studium und die lange unterbezahlte Facharztausbildung auf sich nehmen, um dann in einer Arbeitswelt zu landen, in der er überproportional lange arbeiten muss und als Gegenwert eine überproportionale Unterbezahlung beziehungsweise gar keine Bezahlung akzeptieren soll? Dies in einem reichen Land, das Geld für alles hat, außer für eine ordentliche Bezahlung in ihrem Gesundheitswesen.

Was nun, Herr Spahn? Eines ist jedoch sicher, Sie fügen sich mit Ihren Auffassungen und Vorstellungen nahtlos in unseren Zeitgeist ein: Alle wollen für sich alles, in optimaler Ausführung und sofort, nur kosten soll es nichts. (Greta Gram, Mannheim)

Was soll man sagen, Herr Spahn denkt ja wohl sehr viel nach, aber ob das alles so Hand und Fuß hat, mag ich doch sehr bezweifeln. Heute nun ein Gutachten, ob Frauen denn seelische Schäden davon getragen haben, die einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. Fünf Millionen – obwohl es dazu schon mehrere gibt? Jetzt Termin-Wirrwarr bei Ärzten – in dem niemand mehr durchblickt – auch Ärzte bald nicht mehr.

Dieses Problem muss endlich öffentlich gemacht werden. Ich war schon oft in ärztlicher Behandlung und war schon sehr krank – aber ich persönlich habe nie einen unfreundlichen nicht engagierten Arzt getroffen. Im Gegenteil: bemüht, mir Angst zu nehmen, freundlich und mitfühlend, sehr fleißig, engagiert. Mein Gynäkologe hat mir mal gesagt, dass er für mich für das ganze Quartal zwölf Euro bekommt, ob ich ein Mal oder zehn Mal kommen muss, spiele keine Rolle. Und so haben mir andere Fachärzte auch berichtet. Allein das ist grenzwertig.

Ich weiß, was Hausärzte für einen Hausbesuch bekommen. Warum wird das von den Politikern nicht gesagt? Dafür geht kein Handwerker aus dem Haus. Vergessen wird übrigens auch, dass auch Ärzte (man soll es nicht glauben) Familien haben, für die sie sorgen. Ich kenne einen Arzt, der jedes Quartal zwei bis drei Wochen Urlaub macht, weil er in dieser Zeit umsonst arbeitet. Wer macht das sonst noch? Bitte melden!

Seit Herr Spahn Gesundheitsminister ist, kommen lauter Verwirrungen zustande. Er soll doch sagen, wie viel Ärzte verdienen. Ja, und wenn manche wirklich besser verdienen – die Ausbildung war ja lang genug plus Facharztausbildung. Herr Spahn sollte sich mal lieber mit den Krankenkassen befassen, die wahnsinnige Überschüsse verzeichnen und auf ihrem Geld sitzen. Sehr geehrter Herr Spahn, lassen Sie die Ärzte in Ruhe. Es ist doch kein Wunder, dass so viele Praxen keinen Nachfolger finden bei der unerträglichen Gängelei. Und wieso sollen Ärzte zwei Stunden täglich länger arbeiten, die Ärzte, die ich kenne, arbeiten ja schon von morgens bis abends. Reicht das noch nicht? (Petra Stacha, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2JT66Cm