Leserbrief

Leserbrief Zu den Prozessionen an Fronleichnam

Hunger und Sehnsucht nach Frieden und Liebe bleiben

Es ist Mode geworden für, noch mehr gegen etwas zu demonstrieren. Schnell sind dann Fernseher und Medien zur Stelle, um dem Volk mit Neuigkeiten in großen Schlagzeilen berichten zu können. Krawalle, positive oder negative Ereignisse zum Beispiel beim "König Fußball" können große Volksteile in Hochstimmung oder Trauer versetzen.

Ich will von einer ganz anderen Demonstration reden, die den Namen Fronleichnamsprozession trägt.

Fronleichnam früher und heute

Noch vor 70 Jahren war an diesem Tag bei Morgengrauen das ganze Dorf auf den Beinen, es galt grüne Wedel beidseits am Straßenrand zu befestigen. Mit frischem Gras bestreute man den Prozessionsweg. Tannenwedel mit Blumen, gelben und weißen Bändern zierten die Häuser.

Viele Hofeingänge waren geziert mit Blumen und Altärchen, zu Ehren dessen, der da vorbei kommen sollte. An vier Bildstöcken unseres Dorfes wurden prachtvolle Altäre errichtet, geschmückt mit den Blumen des Feldes und dem Grün der Wälder. Mit Gebet, Musik und Gesang machte die Prozession an diesen Stationen Halt.

Nach dem Wort Gottes sang der Kirchenchor. Mit der Monstranz rief der Priester den Segen Gottes auf das Dorf und seine Menschen herab. Die Blaskapelle gab und gibt dieser Friedensdemonstration einen festlichen Klang. Die Herrscher des "Dritten Reiches" versuchten mit allen möglichen Schikanen dieser Tradition entgegen zu wirken.

Die allumfassende Liebe Gottes hat sich uns in Jesus Christus, dem Brot des Lebens, offenbart. Sie will in unsere Dörfer und Städte hinein getragen und von uns angenommen sein.

Neuer Zeitgeist

Ein neuer Zeitgeist versucht schleichend, auf das Rad der Zeit und der Traditionen einzuwirken. Unser Friede ist nicht sicherer geworden. Das Brot der Welt reicht nicht mehr für alle Menschen. Hunger und Sehnsucht nach Frieden und wahrer Liebe aber bleiben.

Der Schmuck der Straßen und Häuser an unserem Prozessionsweg ist inzwischen weniger geworden. Zwei schöne Rotbuchen zierten einmal den ersten Fronleichnams Altar. Sie wurden gefällt.

Eifer und Begeisterung

Eifer und Begeisterung möchte man an dieser Stelle wünschen, den schönen Fronleichnams Brauch aufrecht zu erhalten. Die Teilnehmerzahl an dieser Demonstration des Friedens ist zurückgegangen, obwohl niemand Nachteile in Kauf nehmen muss, wie das im "Dritten Reich" der Fall war.

Es wäre unklug das Liebes- und Friedensangebot Gottes, das mit Fronleichnam zum Ausdruck kommen will, nicht zu erwidern.