Leserbrief

Illusion mit vorausauseilendem Gehorsam

Zum Artikel „Mehrheit will Flagge zeigen“ und Kommentar „Nicht in den Wind hängen“ vom 11. Juli:

Michaela Roßner schreibt in ihrem Artikel zum Nichtzeigen der Tibet-Fahne in Heidelberg zur ausgesprochen fadenscheinige Begründung der Stadt, es habe „die Zuständigkeit für das Flaggenhissen in der Verwaltung gewechselt“. Plausibler erscheint ihre Vermutung: „Sollte mit der stillschweigenden Fahnen-Einmottung Rücksicht auf die Stimmung der Investoren (aus China, R. B.) genommen werden?“

Es ist sicher legitim, neben moralischen Erwägungen auch wirtschaftliche Interessen bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen. Tatsächlich dürfte dieses Verhalten der Heidelberger Stadtverwaltung aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht kontraproduktiv sein. Ein Lied davon kann die britische Großbank HSBC singen, die sich im vergleichbaren Fall des Hongkonger „Sicherheitsgesetzes“ bei den chinesischen Machthabern beliebt machen wollte und ihren Vertreter in Hongkong dieses Gesetz unterstützen ließ. Das hat nun dazu geführt, dass HSBC seitens der internationalen Gemeinschaft unter Druck gerät, aber gleichzeitig auch von Peking nicht mehr für voll genommen und nun erst recht Drohungen ausgesetzt wird, stärker zumindest als die anderen internationalen Banken, die sich mit Unterstützung für Peking zurückgehalten haben. Jedenfalls dürfte die Vorstellung, man erfahre durch vorauseilenden Gehorsam gegenüber der VR China wirtschaftliche Vorteile, eine Illusion sein.

Ralf Bake, Mannheim

Zum Thema