Leserbrief

Interne Kenntnis der Arbeitswelt fehlt

Zum Debattenbeitrag „Warum sollten wir alle länger arbeiten, Herr Hagelüken?“ vom 3. August:

In sehr vielen Fällen bestimmt gar nicht mehr der Arbeitnehmer den Zeitpunkt der Verrentung! In diesen Tagen, in denen die Auswirkungen der abflachenden Konjunktur sich bemerkbar machen, gehen sehr viele Unternehmen dazu über, mit mehr oder weniger „sanftem“ Druck, sich der älteren Arbeitnehmer zu entledigen. Das Wort heißt dann „sozialverträglich“.

Altersteilzeit kommt wieder

Waren früher die Frauen die „Manövriermasse“ der Unternehmen, so sind es heute zunehmend die älteren Arbeitnehmer, die vorzeitig aus den Betrieben gedrängt werden. Diese müssen dann ganz erhebliche Nachteile bei der Berechnung der Rente wegen Altersteilzeit und Vorruhestand in Kauf nehmen.

Denn: Nichts ist umsonst! Die zusätzlichen Lasten für die Sozialsysteme sind der Wirtschaft weitgehend schnuppe – wird aber gleichzeitig beklagt! Auch jammert die Wirtschaft, dass es an Fachkräften mangelt und Wissen durch ausscheidende Mitarbeiter verloren geht. Altersteilzeit war schon fast in Vergessenheit geraten und wird nun wieder flächendeckend aus der Versenkung geholt.

Völlig unerwähnt

Es sei auch daran erinnert, dass der gegenwärtige Fachkräftemangel durch die in der Vergangenheit nicht ausbildenden Unternehmen verursacht wurde. Glaubt denn die Wirtschaft selbst an das, was sie beklagt? Mit den Maßnahmen sollen Kündigungen vermieden werden. Das ist nachvollziehbar, aber die Unternehmen sprechen mit „gespaltener“ Zunge. Dies Alles hat Herr Hagelüken völlig unerwähnt gelassen und nicht mit ins Kalkül gezogen, so dass ich annehmen muss, dass er die real existierende Arbeitswelt von innen überhaupt nicht kennt.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2KNUDkK