Leserbrief

Jeder Löwenzahn wird frühzeitig vernichtet

Zum Thema Umwelt:

Es vergeht kein Tag, an dem nicht an den Bürger appelliert wird, was er alles tun und bleibenlassen soll. Das Thema Schottergärten, städtisches Mikroklima, Insektensterben und Vogelschutz nimmt mittlerweile selbst in den Medien etwas mehr Raum ein. Und was bekommt der Stadtbewohner/Bürger vorgelebt? In größter Dürre wird zuverlässig und termingenau mit deutscher Gründlichkeit jeder noch so armselige „Grünstreifen“ (sowie zahlreiche Baumscheiben) bis auf den Boden runtergemäht.

Selbst im größten Shutdown ist Personal vorhanden, um ein drohendes unkontrolliertes Erblühen umgehend zu unterbinden (soweit das ohne Regen überhaupt möglich ist). In der Stadt finden sich bereits jetzt überall steinharte, komplett ausgetrocknete Randstreifen und entsprechende Baumscheiben. Wie sollen die geplagten Stadtbäume das bisschen Regen denn überhaupt noch aufnehmen können unter diesen Bedingungen? Besonders sehenswert sind auch die heckenbefreiten, gräberartigen Grasquadrate (früher einmal ein beliebter Spatzen-Wohnort) am Theater. Wenigstens den Tauben scheint es allerdings zu gefallen.

Öffentliche Hand soll gießen

Warum überhaupt der Aufwand mit dem Rückschnitt? Weshalb werden die freien Flächen nicht gleich zubetoniert und final versiegelt? Der ökologische Nutzen und die Kapazität gegebenenfalls Starkregen aufzunehmen bleiben sich gleich. Warum soll ich als Stadtbewohner diese gewollt toten Flächen gießen? Es wäre dringend notwendig und vorbildlich, wenn die öffentliche Hand sich um die Bodenpflege, das Bepflanzen und Gießen kümmern würde, anstelle in engen Zeitintervallen personalintensiv jeden Löwenzahn der frühzeitigen Vernichtung zuzuführen. Jedes Jahr das gleiche Elend.