Leserbrief

Jedes Mal mit einem Angstgefühl

Zum Artikel „Langer, einsamer Weg mit Bus und Bahn“ vom 7. November:

Und wieder einmal kommen mir beim Lesen des heutigen „MM“ Tränen der Rührung und des Mitleids: „Langer, einsamer Weg mit Bus und Bahn“. Die Redakteurin Bettina Eschbacher beschreibt in aller Ausführlichkeit ihre beschwerliche Reise von ihrem Wohnort im beschaulichen Niederkirchen bei Deidesheim zum Arbeitsplatz ins Mannheimer Wohlgelegen.

Ja, das ist schon ein Schicksal, wie es selten jemand zu ertragen hat. Vom Wohnort zum S-Bahn-Anleger nach Hassloch, und das in aller Herrgottsfrühe um 9.05 Uhr. Die S-Bahn fährt leider nicht nach Wohlgelegen vor die Bürotür, sondern es ist noch ein Umsteigen am Hauptbahnhof notwendig, danach noch ein Fußmarsch (!) von zehn Minuten. Die Redakteurin beklagt, dass sie – würde sie diese Strecke täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, „40 Minuten zu spät zur Arbeit käme“. Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn alle tagtäglich pünktlich sein wollten? Und dann noch der Schrecken per se: das gefährliche Niemandsland am Exerzierplatz in der Dunkelheit. Da kann’s schon ganz schön einsam werden.

Ländlich wohnen, heißt pendeln

Auch die Experten vom VRN, mit dem Problem befasst, können nur die weiße Fahne hissen. Da bleibt als einzige Lösung ja nur, Homeoffice zu beantragen oder diesen Arbeitsplatz ganz aufzugeben. Angenommen, die Redakteurin muss jahrzehntelang diese Irrfahrt auf sich nehmen, könnte man sogar überlegen, den Wohnort zu wechseln. Was soll uns nun dieses Beispiel – beinah ganzseitig gedruckt – lehren? Menschen, die derart weit weg von ihrem Arbeitsplatz wohnen, hatten ohne Auto schon immer ein Problem beziehungsweise eben naturgegeben eine weite Anreise. Ländlich ruhig und schön wohnen, heißt eben länger pendeln. Das ist nichts Neues.

Isabella Nohe, Mannheim

Angstfrei ist das Stichwort. Menschenleere Straßen, abgelegene Haltestellen und Unterführungen im Niemandsland sind insbesondere für Frauen ein echtes Problem. Es beschleicht einen ein sehr unangenehmes Angstgefühl, wenn man als Frau das Auto stehenlässt und auf öffentliche Verkehrsmittel zugreift.

Insbesondere in der dunkleren und kalten Jahreshälfte verstärkt sich dieses Gefühl. Nehmen Sie mal den Bus nach Schwetzingen und steigen beim Lever Sunlicht aus, um zum Casterfeld zu laufen. Diese Unterführung ist der Horror. Meine Tochter wohnt in Ludwigshafen Froschlache. Vier Hochhäuser. Gerade durch das Brückenproblem möchte sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Der gesamte Bereich um die Hochhäuser ist derart schlecht ausgeleuchtet, die Unterführung an der Bahnbrücke vereinsamt. Wir machen „Handybegleitung“ innerhalb der Familie. Die App „WayGuard“ wurde sogar von der Polizei empfohlen. Trotzdem beschleicht einen jedes Mal ein Angstgefühl.

Andrea Maier, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2NGXXBd

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