Leserbrief

Kämpfen um Freiheit und Demokratie

Zum Debattenbeitrag „Warum ist die Erinnerung an die Revolution von 1918/19 gerade heute so wichtig, Herr Niess?“ vom 25. November:

Herr Dr. Niess hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass der Deutschen Revolution von 1918 / 19 ein wichtiger Platz in der deutschen Geschichtskultur zukommen sollte. Es war sehr mutig von den Soldaten, Matrosen und Arbeitern, sich im Herbst 1918 den Befehlen der kaiserlichen Heeresleitung zu wiedersetzen und den Aufstand zu wagen, der dann schließlich zur Revolution und zur Errichtung der ersten deutschen Demokratie führte.

Natürlich muss man auch feststellen, dass viele von Ihnen zunächst nichts weiter wollten, als dass der verlorene Krieg beendet wird, der Kaiser und die Monarchie verschwinden und die Lebensmittelversorgung von Ihnen und die ihrer Familien verbessert würde.

Viele von Ihnen waren sicher unpolitisch und dachten im Herbst 1918 noch nicht viel weiter. Es war das Verdienst der demokratischen Parteien, vor allem der SPD und Politikern wie Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann, durch kluge und pragmatische Schritte den Weg einzuschlagen, der dann zu einer stabilen parlamentarischen Demokratie führte.

Sie haben damit verhindert, dass die revolutionären Wirren von 1918 /19 von rechts – oder linksradikalen Kräften ausgenutzt werden konnten, auch wenn sie dafür allerdings mit den Offizieren und Soldaten der Armee paktieren mussten, die mehrheitlich rechts orientiert war und sich in die alte Monarchie zurücksehnte. Für die Stabilisierung der Weimarer Demokratie gebührt Ebert und Scheidemann ein ehrenvolles Gedenken in unserem Bewusstsein, ebenso auch Gustav Stresemann.

Natürlich erscheint die Revolution von 1918 /19 heute in einem schlechten Licht, weil die Weimarer Demokratie, die durch die Revolution möglich wurde, Anfang der 1930er Jahre unterging durch den Aufstieg Hitlers und des Nationalsozialismus. Viele wissen heute dabei nicht, dass es auch in Weimar seit 1922 schon ein Republikschutzgesetz gab, das aber gegen die Demokratiefeinde von rechts und links leider nicht angewandt wurde.

Um den Erhalt von Demokratie und Freiheit musste und muss man damals wie heute ausdauernd kämpfen. Nur die richtige Lehre aus dem Untergang der Weimarer Republik muss meines Erachtens sein, gegen politisch extremistische Gewalt, egal aus welcher Richtung, vorbeugend und frühzeitig vorzugehen.

Heute habe ich aber leider bei uns manchmal den Eindruck, dass man gegen rechte Gewalt entschieden vorgeht – linksradikale Gewalt aber tabuisiert oder sogar einfach verharmlost.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Bufg02