Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Kasten-Architektur

Vergleicht man bei dem Kunsthallen-Neubau Gleiches mit Gleichem? Foster mit Gerkan? Mannheim mit München? Röhren mal senkrecht, mal waagrecht. Kaufhausfassadengleich weist der prämierte Museumsbau-Entwurf für Mannheim keine nennenswerte Eigenständigkeit auf. Beliebige Kasten-Architektur hier wie dort.

Die grafische Darstellung des Entwurfs für Mannheim täuscht mit nicht realem Lichtspiel bei Nacht. Das kantige Gebäude fügt sich nicht in die Gegebenheiten des Friedrichsplatzes ein, weder in seiner Form, noch in seiner Materialwahl. Der Denkmalschutz erfordert dies aber explizit. Ein stadtbildprägender Charakter bedeutet nicht unpassende Formen an eine unpassende Stelle zu stellen, um damit Aufmerksamkeit zu erringen. Und für dieses in geheimer Sitzung fremdbestimmte Ergebnis eine Stiftungs-Spende mit sehr viel Bürger-Geld aufstocken?

Bei der Spende für kulturelle Zwecke handelt es sich um einen Festbetrag, wie im Bürgerforum April 2013 zugesichert, ohne Standortvorgabe. Das Kosten-Risiko bleibt für die Bürger nach oben hin offen. Dass Baukosten meist ausufern, weiß man. Die Kosten-Verteilung für Erstellung und Unterhalt eines Gebäudes liegt bei 20 zu 80. 20 Prozent Gebäude-Erstellung und 80 Prozent Unterhaltskosten.

Die Spende deckt bislang die Erstellungskosten lediglich zu Zweidritteln. Einen Wettbewerbs-Siegerentwurf muss man nicht realisieren, zumal die Jury den Entwurf sehr kontrovers beurteilt hat. Vom Stadtrat wurde eine Eingliederung in ein denkmalgeschütztes Umfeld beschlossen. Diese Vorgabe an die Architektur war eindeutig. Ergebnis ist eine Shopping-Mall-Architektur, die nicht an diese Stelle passt, egal wie viele Fassadenvorschläge man dazu noch machen will.

Aus der Denkmalschutz-Charta von Venedig: "Wenn die überlieferte Umgebung noch vorhanden ist, muss sie erhalten werden, und es verbietet sich jede neue Baumaßnahme, jede Zerstörung, jede Umgestaltung, die das Zusammenwirken von Bauvolumen und Farbigkeit verändern könnte."