Leserbrief

Keckes Auftreten kommt gut an

Zur Debatte „Ist Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro eine Gefahr für die ganze Welt, Herr Nöthen?“ vom 25. Juli:

Der Bericht des Autors ist gezeichnet von fehlender Empathie mit einem großen Teil des brasilianischen Volkes. Brasilien ist vom Geist her eher eine Kolonie der USA, daher verwundert Bolsonaros Nähe zu Trump nicht.

Wir sind in einer anderen Kultur aufgewachsen. Um eine andere Kultur zu verstehen, sollten wir erst deren Sprache lernen und im Gespräch mit Einheimischen versuchen, deren Denkweise zu verstehen. Danach lohnt sich immer ein Vergleich beider. Der Autor hat dies vernachlässigt, als freiberuflicher Korrespondent hat er sein Klientel zu beliefern. Eine Mahnung, vor der eigenen Haustüre zu kehren, kommt nicht gut an.

Für die Industrialisierung etc. haben wir vor Jahrhunderten große Waldbestände abgeholzt, unsere südländischen EU-Mitglieder ebenso für den Bau von Schiffsflotten zur Eroberung zum Beispiel von Brasilien. Brasilien hat unter der Herrschaft der Kolonialmacht geächzt. Nach der Unabhängigkeit und der Konsolidierung kam das Land in die Fänge der Weltbank, weil sie, mentalitätsmäßig, die Ausmaße der Rückzahlung gewährter Kredite nicht so genau nahmen. Heute steckt China seine Fühler nach den Futtertrögen Brasiliens aus, um sein Volk langfristig ernähren zu können.

Die Geschichte dieses Landes ist geprägt von Abhängigkeiten, da kommt ein keckes Auftreten Bolsonaros „der Regenwald gehört uns“ gut an. Apropos Regenwald, für mich persönlich ist die Summe, die Deutschland zum Schutz vom Regenwald aufbringt, bei dessen Bedeutung für das Weltklima, sehr gering. Mit viel mehr kontrolliertem Geldfluss könnten auch die Großgrundbesitzer zum Umdenken animiert werden, gegen die Brasilien ein Regieren unmöglich ist. Brasilien macht heute nur das nach, was es von anderen Nationen vorgelebt bekam. Ein Aufstand der Unterdrückten kommt und kam für die Herrschenden immer zur Unzeit.

Jörg Biberacher, Mannheim

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