Leserbrief

Keine Ruhe bis das System geschrottet ist

Zum Kommentar „Zutiefst ungerecht“ vom 2. Januar:

Was ist denn so „zutiefst ungerecht“? Dass ich für meine Ehefrau und meine drei Kinder immer die Beiträge der Privaten Krankenversicherung selbst bezahlen musste? Bis vor wenigen Jahren diese noch nicht einmal steuerlich geltend gemacht werden konnten? Dass ich seit 2000 Altersrückstellungen bezahle, und somit das Altersrisiko nicht auf die junge Generation abwälze? Durch Selbstbeteiligung und Rechnungseinsicht ein Gespür für die Kosten habe? Durch meinen hohen Beitrag auch medizinische Geräte für alle subventioniere?

Gleiche Wartezeiten

Beim Kinderarzt, Hausarzt, Zahnarzt und im Krankenhaus mussten ich und meine Familie so lange warten, wie alle anderen auch. Glauben denn die linken Weltverbesserer, die wirklich Reichen weichen nicht aus? Die werden sich im Ausland behandeln lassen und dort die Geräte und Innovationen bezuschussen.

Die Linken werden keine Ruhe geben, bis auch unser gut funktionierendes Gesundheitssystem geschrottet ist, wie jedes andere System, wo die Gleichmacher das Sagen haben. Und dann klatschen die Kommentatorinnen heftig Beifall.

Die Einführung der Bürgerversicherung würde das von der Autorin gesehene Gerechtigkeitsproblem nicht lösen. Wie sie selbst erkannt hat, würden dann diejenigen, die es sich leisten können und wollen, private Zusatzversicherungen abschließen, und alle daraus folgenden Annehmlichkeiten auch weiterhin genießen.

Im Gegensatz zu vorher würden Privatversicherte dann zwar in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen und deren Beitragsaufkommen würde sich erhöhen. Aber die neuen Beitragszahler würden auch entsprechende Leistungen abfordern.

Wie das per Saldo aussehen würde, schreibt die Autorin nicht. Auf das Risiko, dass es ein Nullsummenspiel oder sogar ein Verlustgeschäft wird, geht sie nicht ein.

Dagegen erwähnt sie Studien, denen zufolge die Kassenbeiträge dann um ein bis drei Prozent sinken würden – vorausgesetzt, auch Einnahmen aus Kapitalanlagen würden zugrunde gelegt. Abgesehen von dieser zusätzlichen Problematik wird von vielen bezweifelt, ob dieser Effekt überhaupt eintreten würde. Wir sollten es nicht darauf ankommen lassen. Die Einführung einer Bürgerversicherung wäre mit ganz erheblichen Kosten, schwierigen Umstellungsproblemen und eventuell sogar dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden. Das bestehende System gilt dagegen als eines der besten in der Welt. Das zeigt sich auch in einer im Artikel dargestellten Grafik.

Kassenpatienten sind in Deutschland deutlich besser versorgt als in den sonst vielgelobten skandinavischen und anderen Ländern. Schade, dass die Autorin das nicht ausreichend würdigt– zumal, siehe oben, das Gerechtigkeitsproblem mit der Bürgerversicherung nicht gelöst wäre.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2AFGWNJ