Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort: Zu "Markt will witzige Schilder aufstellen" (FN 12. März)

Kinder und Hunde haben im Gemeinderat keine Lobby

Der Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung am 10. März mit großer Mehrheit, dass die Leinenpflicht auf fast ganz Kreuzwertheim ausgedehnt wird. Das ist für Hundebesitzer sehr schlimm. Es hätte ja noch schlimmer kommen können. Der Bürgermeister hatte erwähnt, dass das Gras an der Mainwiese Richtung Hasloch von dem Hundekot so verschmutzt wird, dass es für Rinder nicht mehr zu gebrauchen ist. Ein Gemeinderat wusste es aber richtig, dass dieses Gras für eine Bioanlage bestimmt ist. Man kann es ja versuchen. Da wird dann die Jägerschaft befragt, wo die Hunde in Kreuzwertheim frei laufen dürfen. Die haben aber alle Freilaufflächen abgelehnt, weil ja freilaufende Hunde die größte Gefahr für das Wild sind.

Die Frage wirft sich auf: Wann ist da was vorgefallen, in Kreuzwertheim? Außerdem ist im Wald der Hundefreilauf verboten.

Am Ende kam heraus, dass nur auf zwei Wegen die Hunde frei laufen dürfen. Das ist der Pfad am Main entlang nach dem alten Bootshaus bis zum Parkplatz Bachwiesen, der aktuell unter Wasser steht, und der geschotterte Weg im Laufer, zwischen Landstraße und Häusern, der zirka 200 Meter lang ist. Außerdem grenzt dort eine Wiese an, deren Gras für Nutzvieh bestimmt ist. Das macht dann nichts aus, gehört vielleicht der Gemeinde, oder?

So viel hat man für Hunde und Hundebesitzer in Kreuzwertheim übrig. Halt, da sind dann noch die unverschämten Auswärtigen, die ihre Hunde auch in Kreuzwertheim spazieren führen. Für die hat man erst recht nichts übrig. Die gehören nicht hierher.

Was führte zu all diesem? Es waren darunter zwei Beschwerden von Hundebesitzern während öffentlicher Sitzungen. Die haben den Freilauf der Hunde angeprangert, aber in den Grenzen, in denen eine jetzt überholte Satzung den Hundefreilauf untersagte. Die Beschwerdeführer haben aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Nachlässigkeit eigentlich die fehlende Beschilderung betrifft, die von der Gemeinde, wahrscheinlich aus Spargründen, nicht aufgestellt wurde. Wie sollte ein nicht hiesiger Hundeführer also wissen, dass man da Hunde nicht frei laufen lassen darf? Auf dort aufgestellten Schilder könnte man es lesen oder den Hundeführer darauf hinweisen. Aber die waren nicht da. Man denke, der Gemeinderat beschließt eine Änderung einer Einbahnstraße, ohne dafür Schilder aufzustellen - welch ein Chaos.

Hunde sind Haustiere und das schon seit vielen tausend Jahren. Die Zahl der Haushunde nimmt immer mehr zu. Der Grund ist die große soziale Komponente, die der Umgang der Hunde mit den Familienmitgliedern, speziell Kindern und älteren Menschen, mit sich bringt. Ein Hund ist ein Lebewesen, ein Freund, ein Partner, ein Wesen also, das es verdient hat, geliebt und geachtet zu werden. Das kann man sicherlich erst dann verstehen, wenn man einen Hund hat. Wenn nicht, denken Sie an die Polizeihunde, Spürhunde, Blindenhunde, etc.

Die Gemeinderatsmitglieder, bis auf wenige Ausnahmen, haben diese Einsicht noch nicht bekommen. Sie denken bei dem Namen Hund nur an Hundekot und Hundebiss und noch Hundegebell, mehr nicht. Denn sonst hätten sie so nicht entschieden. Jäger sind gefragt worden, aber keine Hundebesitzer.

Die Hunde in Kreuzwertheim haben keinen Auslauf mehr. Ein Leben lang nur an der Leine. Auch Tiere haben ein Empfinden und sind zurecht geschützt im Tierschutzgesetz. Und speziell Hunde brauchen Auslauf, sonst werden sie krank und aggressiv. Das ist wie bei den Menschen.

Die meisten Hundehalter kenne ihre Hunde und wissen, wann und wie man sie frei laufen lassen kann. Es ist ja eigentlich noch nie was passiert. Warum dann diese Aufregung?

Meine Bitte an die Gemeinderäte: Überdenken sie noch mal ihre Satzung. Sie haben es ja schon wiederholt gemacht. Dann können sie auf die jetzt notwendig vielen Schilder verzichten, auch wenn sie witzig sein sollten.

Für Hundehalter sind sie nicht witzig, und auch die Hunde können nicht darüber lachen und auch nicht viele andere Kreuzwertheimer ohne Hunde.

Es haben sich ja noch viel mehr Kreuzwertheimer Bürger über fehlende Zebrastreifen beschwert. Aber die hat man mit Aufbietung aller Gesetzmäßigkeiten abgeschmettert. Kinder und jetzt auch Hunde haben hier, im Kreuzwertheimer Gemeinderat, keine Lobby. Autos und Parkplätze dagegen um so mehr.