Leserbrief

Klage wegen geringen Schadens unnötig

Zum Artikel „Engelhorn-Museen erleichtert über Gerichtsurteil“ vom 21. Dezember:

Vordergründig haben die Stadt Mannheim und Reiss-Engelhorn-Museen ihr angestrebtes öffentlichkeitswirksames Ergebnis erreicht. Dennoch bleibt der Vorwurf, dass man wegen des geringen tatsächlichen Schadens nicht hätte rechtlich gegen Wikipedia streiten müssen. Das Verfahren endet mit einem Pyrrhussieg, bei dem alle verloren haben.

Wikipedia-Artikel mit Fehlern

Das Mannheimer Vorgehen nimmt einen großen Kollateralschaden in Kauf: Wie der „MM“ bereits Mitte März 2014 berichtete, sind immer weniger Leute bereit, als ehrenamtliche Autoren in der Freizeit Wikipedia textlich beziehungsweise bildlich zu gestalten und vor allem auch aktuell zu halten. Zahlreiche Mannheimer Wikipedia-Artikel sind verbesserungswürdig, das „Portal Mannheim“ in Wikipedia liegt weitgehend brach und strotzt vor Auflistungen von unbearbeiteten Fehlern und Lücken.

Von den knapp 80 Autoren, die sich irgendwann als „Benutzer aus Mannheim“ gekennzeichnet haben, sind aktuell lediglich fünf überhaupt (nicht unbedingt in Mannheimer Themen) aktiv. Davon wiederum hat sich in letzter Zeit nur ein einziger fortgesetzt um neue Mannheimer Lemmata – darunter „Breite Straße (Mannheim)“, „Waldpark Mannheim“, „Stadt.Wand.Kunst“, „Pegel Mannheim“ – bemüht und vor allem sich gezielt mit der ständigen Pflege Mannheimer Lemmata (darunter „Quadratestadt“ und Stadtteile) befasst.

Motivation fehlt

Mannheim scheint das nicht wert zu sein; besagter Autor hat sich nun nach mehreren hundert Bearbeitungen aus Mannheimer Wikipedia-Themen verabschiedet. Das Verhalten des Museums und der Stadt ist nicht dazu geeignet, Menschen dazu zu motivieren, sich kostenlos zugunsten der Allgemeinheit in das Projekt einzubringen und auch über Mannheimer Themen zu schreiben – im Gegenteil. Anstatt sich ernsthaft um Motivation und Anschub zu bemühen, tragen „rem“ und Stadt dazu bei, das Konzept gemeinnütziger enzyklopädischer Arbeit weiter auszuhöhlen. Hubert Berberich, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2RwtJmU