Leserbrief

Kommerz ersetzt Liebe zur Wahrheit

Zum Debattenbeitrag „Welchen Wert hat Wahrheit heute noch, Herr Erlinger?“ vom 22. Juni:

Vielen Dank für die äußerst interessante Anmerkungen zum Thema Wahrheit, Herr Erlinger. Es wurde erkannt, dass wir alle gerne bereit sind, das zu glauben, was unserer Überzeugung entspricht – deshalb kann der Mensch in seiner Unvollkommenheit die reine Wahrheit nie für sich beanspruchen.

Wir bewegen uns immer in einem Spektrum zwischen Wahrheit und Unwahrheit, wie ein Theologe es formulierte. Leider werden wir nicht nur in der Politik, sondern auch in der Arbeitswelt oft mit der Unwahrheit konfrontiert. So wie der Autor die Baumeister der sicherheitgebenden Wahrheit beschreibt, gibt es auch die Gegenseite, die juristische Konstruktionen erstellt, die die Wahrheitsfindung erschweren oder unmöglich machen. Ein Streit zwischen Wahrheit und Unwahrheit endet oft vor Gericht, wobei dieses nur aufgrund von nachgewiesenen Fakten urteilen kann.

Für den Gläubigen ist Lüge eine Sünde, im Apostolischen Glaubensbekenntnis bestätigt er, er habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken (Taten, Fakten). Da jedoch dieser Nachweis des Fehlverhaltens aufwendig bis unmöglich ist, ist die Unwahrheit zur Begleitung in vielen Lebenssituationen geworden, gelebte Ehrlichkeit (kommt von Ehre) ist nicht mehr „in“, oft Karrierekiller, die Wahrheitsliebe wurde vielerorts dem Kommerz geopfert.

Gängige Sprüche wie: „Vor Gericht und auf hoher See hilft dir nur der liebe Gott“ oder „Recht haben und Recht bekommen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe“ oder die Frage „Willst Du Dein Recht bekommen oder Deine Ruhe haben?“ spiegeln eine gewisse Resignation wider, wahrheitsfündig zu werden.

Unwahrheit hat ihren Ursprung in einem unreinen Geist, der, wie an mehreren Stellen in der Bibel vermerkt, Ursache von psychischen Krankheiten ist. Diese sind heute, laut Krankenkassenstatistiken, mehr und mehr auf dem Vormarsch. Es wird tunlichst vermieden, einen direkten Zusammenhang zwischen Unwahrheit und Krankheit zu erkennen, vielleicht weil die Lüge schon gesellschaftlich akzeptiert ist?

So sind Gespräche mit wahrhaftigen Freunden wie das Weilen in einer Wohlfühloase. Der Glaubende kann sich damit trösten, dass am jüngsten Tage alle für ihr Tun auf Erden gerichtet werden. Daher sollte jeder dem Rat des Autors Erlinger folgen und mit der Wahrheitsliebe am besten bei sich selber anfangen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2WZcTfi