Leserbrief

Konventionelle Landwirtschaft stößt immer mehr an Grenzen

Zum Artikel „Viel Galle im Streit um Gifte“ vom 16. April:

Das Thema „Gülle“ steht für all die anderen, mittlerweile bis dicht vor die Wand gefahrenen Probleme im Umweltschutz und im Tierschutz, denen die konventionelle Landwirtschaft mit ihren industriellen Produktionsmethoden heute gegenüber steht.

Den Bauern allein die Schuld an der Problematik zu geben, würde das Ziel aber sicher verfehlen. Schuld an den Missständen in der Landwirtschaft ist zunächst die ebenso unselige wie innige Paarung einer offenbar übermächtigen Landwirtschaftslobby mit einer Politik, die nur noch als bloße Erfüllungsgehilfin agiert, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin allen voran.

Die zahllosen Beispiele der letzten Jahre zeigen deutlich, wie die Lobby der Bauern – ausgestattet mit scheinbar unbeschränkter Machtfülle – ihr Programm gnadenlos durchzieht: Glyphosat, Ferkelkastration und Gülle sind prominente Stichwortbeispiele für Vorgänge, durch die Seriosität und Glaubwürdigkeit der Politik massiv infrage gestellt werden müssen. Die Landwirtschaftspolitik zeigt sich nicht nur als allzu dienstbare Marionette der Bauernlobby, sie ist auch zu eigenen Impulsen und deren Umsetzung offensichtlich völlig unfähig. Das wohl beste Beispiel hierfür ist das „Tierwohllabel“. Ein Gütesiegel also, welches Konsumenten helfen soll, die Haltung, den Transport und die Schlachtung der Tiere zu beurteilen.

Ich finde es auch verkehrt, die massiven Probleme der Landwirtschaft auf einen Konflikt zwischen Bauern und „Umweltschützern“ zu reduzieren, wie das Peter Reinhardt in seinem Kommentar „Mehr Transparenz“ wohl meinte. Zunächst einmal haben längst nicht mehr nur „Umweltschützer“ ein Problem mit unserer konventionellen Landwirtschaft. Die Kritik kommt vielmehr deutlich aus der Mitte der Gesellschaft, nicht zuletzt endlich auch von der jungen Generation.

Am Ende ist es doch ganz einfach: Mit ihren industriellen – eben nicht nachhaltigen – Produktionsmethoden stößt die konventionelle Landwirtschaft zunehmend deutlich an Grenzen, deren Überschreitung mit einer intakten Umwelt ganz offensichtlich nicht vereinbar ist.

Die für das Erreichen dieser Grenzen typischen Kennzeichen liegen dramatisch vor: Artensterben (Insekten, Vögel, Amphibien únd so weiter), Grundwasservergiftung, Ackerbodenzerstörung, Klimawandel usw. All dies sind schädliche Folgen der Überlastung der natürlichen Umwelt, nachweislich großteils verursacht durch unsere (konventionelle) Landwirtschaft.

Wir müssen nun gesellschaftlichen Konsens dazu erreichen, wie ernst wir diese Kennzeichen nehmen wollen und welche der als schädlich bekannten Einflüsse wir wie weit herunterfahren wollen. Allerwichtigstes Instrument hierbei sind die Abermilliarden schweren Agrarsubventionen, die bislang – durch offensichtlich falsche Verteilungsprinzipien – massiv zur Problematik beigetragen haben. (von Hans Janz, Edingen-Neckarhausen)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2PA7hWJ