Leserbrief

Konzept für Immobilien im Park

Zum Artikel "Wir schaffen dem Park ein neues Parkherz" vom 29. September:

Seit Jahren sind wir Inhaber von Jahreskarten und häufige Besucher des Luisenparks. Dabei trinken wir immer sehr gerne eine Schorle in der Pfälzer Weinstube. Nun mussten wir zu unserer großen Bestürzung lesen, dass bei der Neugestaltung des Luisenparks die Weinstube ersatzlos abgerissen werden soll. Stattdessen soll an anderer Stelle ein Restaurant mit veganen Angeboten und eine Vinothek eingerichtet werden!

Das klingt zwar sehr modern, dass dies dem Bedarf der Besucher entspricht, darf man aber bezweifeln. Wir sind fassungslos, dass sich Frau Kubala mit der Forderung, "man müsse sich auch von liebgewonnenen Sachen trennen" so einfach über die Wünsche der Parkbesucher hinwegsetzen will.

Weinstube erhalten

Die Pfälzer Weinstube ist im Sommer sehr gut frequentiert, was man von anderen gastronomischen Einrichtungen im Park nicht behaupten kann. Das Holzgebäude der Weinstube braucht tatsächlich eine Renovierung, aber es muss doch möglich sein, dafür aus dem beachtlichen Etat eine Summe zu reservieren. Warum will man den Besuchern des Parks diese Institution nehmen?

Die Behauptung, die Weinstube sei zu "rustikal", kann doch nur ein Scherz sein! Mit ihrem regionalen Bezug zu den Hütten im Pfälzer Wald ist sie vielmehr ein Stück Heimat. Wir fordern die Erhaltung der Pfälzer Weinstube im Luisenpark! (Evelyn und Thomas Veit, Mannheim)

In dem Beitrag wird ein Konzept für die beiden Parkanlagen Mannheims vorgestellt, an dem laut Bürgermeisterin Felicitas Kubala bereits zwei Jahre gefeilt worden ist. Den Leser interessiert zunächst vor allem die zukünftige Gestaltung der Eintrittspreise. Löst eine Familie mit drei Kindern (fünf bis 15 Jahre) eine Tageskarte, zahlt sie statt bisher 21 Euro ab dem Jahr 2018 28 Euro, was einem Plus von sieben Euro entspricht.

Wählt sie hingegen eine Jahreskarte im Vorverkauf, hat sie statt bisher 110 Euro nur noch 103 Euro zu entrichten. Dass auf diese Weise Stammbesucher "belohnt" werden, davon kann wohl kaum eine Rede sein. Des Weiteren scheint sich das Konzept weniger mit der Parkanlage als vielmehr mit seinen Immobilien zu befassen. Jedenfalls nimmt man überrascht zur Kenntnis, welche Gebäude dem kritischen Auge der Verantwortlichen nicht länger zu genügen scheinen.

Das Freizeithaus, die Weinstube, mehrere Gebäude des Wirtschaftshofes, das Café am Pflanzenschauhaus und selbst Teile der Vogelvolieren sollen kurzerhand abgerissen und durch Neuartiges ersetzt werden. Wobei für die Realisierung dieser Pläne jeweils großzügige Millionenbeträge angesetzt werden.

Insgesamt soll es ein kalkulierter Gesamtbetrag von 27,1 Millionen sein, auch wenn dieser noch in keiner Weise gedeckt ist (die Stadt will nur 15 Millionen aufbringen). Angenommen, es käme zur Realisierung dieses Wahnsinnsunterfangens, müsste zum Beispiel die Frage offenbleiben, was mit der stark sanierungsbedürftigen Multihalle im Herzogenriedpark geschehen soll. Ein für die Stadt Mannheim dringend notwendiges Projekt, für das angeblich kein Geld vorhanden ist. Was steckt eigentlich hinter diesem Konzept, welche Philosophie verbirgt sich hinter diesen Plänen?

Neue Zielgruppen gewinnen

Man müsse neue Zielgruppen, neue Besucherschichten erschließen, um sich neuen Trends zu stellen, sagt Kubala, und sie gibt sogleich auch die Richtung vor: "Zahlungskräftige Senioren" sollen es sein, versteht sich, ein "Treffpunkt verschiedener Kulturen" soll es werden, und für unsere Jugend eine "Aufwertung des Bauernhofes zum Streichelzoo". Alles in allem würde, wie es scheint, der Park selbst von diesem Vorhaben kaum profitieren - dort wäre am Ende noch kein einziger neuer Baum gepflanzt. (Wolfgang Queißer, Mannheim)

"Wir schaffen dem Park ein neues Parkherz" lautet die Überschrift des Artikels vom 29. September oder sollte man besser sagen, wir schaffen den Park ab? Zweifel an der Konzeption sind berechtigt. Dass der Park der Neuerung bedarf, steht außer Zweifel. Sanierungsbedarf besteht schon sehr lange. Es stellt sich die Frage, weshalb Debatten zur Parkentwicklung hinter verschlossenen Türen stattfinden? Kennen die Planer die Vorlieben der Besucher?

Gerade die gewachsene Vielfalt überzeugt und schafft wohltuende Nachhaltigkeit in einer Welt der raschen Veränderungen. Parkanlagen sind Orte der Erholung für alle Bürger, das zumindest war mein bisheriges Verständnis. Mit ungläubigem Erstaunen musste der Verfasser den neuen Trend zur Kenntnis nehmen - Zitat "...zudem gelte es mehr mobile und zahlungskräftige Senioren anzusprechen." Ein Leben lang glaubte ich, ein Park diene gerade jenen Menschen, die nicht mal rasch in die Ferne fliegen können oder denen es an Mobilität gebricht. Aber da lag ich wohl falsch!? Wenige Eingriffe zwecks Instandhaltung bewirken viel, vorausgesetzt zur rechten Zeit. Bleiben diese aus, folgt Abriss.

Mangels Alternativen, spielen Kosten dann auch keine Rolle mehr. Freizeithaus und Weinstube sind Abrisskandidaten mit dem Hinweis: "[...]stammen aus dem Jahre 1975, nicht sanierungsfähig. Die Weinstube passe mit ihrem rustikalen Erscheinungsbild nicht in die neue Richtung[...]." Als regelmäßiger Besucher der Weinstube stellt sich mir die Frage, welches Erscheinungsbild soll bitte eine Weinstube auszeichnen? Wurden die Bürger von Mannheim gefragt, inwieweit sie diese Sichtweise teilen? Wohl eher nicht. Vor diesem Hintergrund müsste man allen wunderbaren rustikalen Pfälzer Weinstuben ein moderneres Aussehen verpassen.

Helfer verdienen Anerkennung

Ebenfalls der Hinweis "das Thema Wein könnte in der neuen Konzeption eine Rolle spielen" verursacht Kopfschütteln und rückt die neue Parkentwicklung in die Nähe der Satire. Als der Verfasser 1974 nach Mannheim kam, gab es ein geflügeltes Wort: "Das Schönste an Mannheim ist die Autobahn nach Heidelberg." Später hörte man: "Das Schönste in Mannheim ist der Luisenpark und daran hat sich nichts geändert." Zweifellos eine der interessantesten Parkanlagen in unserer Gegend, denn wie sonst ist es zu erklären, dass zahlreiche Besucher aus dem benachbarten Ausland gerne nach Mannheim kommen und einen Tag im Luisenpark verbringen und genießen. Gärtner und Helfer, welche sich aktiv um den Erhalt eines einzigartigen Parks kümmern, verdienen Dank und Anerkennung. (Wolfgang H. Rudolf, Mannheim)

Ich bin außerordentlich beglückt über die Liebe der Stadt zu den Jahreskartenbesitzern, indem sie diesen den Jahrespreis um 0,17 Euro monatlich ermäßigen will, sich aber an den Tagesbesuchern schadlos hält. Ich kenne viele Mannheimer Freunde, die fast nie in den Park gehen, weil ihnen der bisherige Tagespreis schon zu hoch ist. Die geplanten Neuerungen sind für mich schockierend: die gemütliche Weinstube - könnte man jetzt schon "Vinothek" nennen, wenn ein solcher gehobener Name attraktiver ist - abreißen!

Wenn der Bau der Weinstube desolat ist, könnte man sie sicher durch einen ähnlichen gemütlichen Holzbau ersetzen. Ebenso das Freizeithaus, in dem man bisher ohne Konsumzwang sitzen, lesen, spielen konnte. Auch die Bude am Weiher, das heißt alles, was normalpreisig war, muss weg in der Erwartung der "gehobenen Konsumenten" - mehr mobile zahlungskräftige Senioren. Man geht in den Park wegen der Blumen, dem Rasen, der Spielwiese, der Tiere, der Ruhe und den Spaziergängen. Vielleicht wären mehr Tischtennisplatten und ähnliche Betätigungsmöglichkeiten attraktiver. (Gerhard Held, Mannheim)