Leserbrief

Kopfschütteln bei Kindernachrichten

Zum Artikel „US-Soldaten gibt es auch bei uns“ vom 10. Juni:

Gelegentlich werfe ich einen Blick auf Ihre Rubrik „Kindernachrichten“, denn es interessiert mich, welche Auswahl von Themen und Wertmustern „meine“ Zeitung für heranwachsende Mitglieder unserer Gesellschaft bereithält.

Mit kindlichem Staunen und erwachsenem Kopfschütteln las ich kürzlich Ihren Kindernachrichten-Artikel, der sich mit einer möglichen Reduzierung des US-Truppenkontingents in Deutschland befasst. Er gipfelt schlussfolgernd in der undifferenzierten Aussage: „Die (US-)Soldaten sind für Deutschland wichtig, sagen Fachleute. Sie seien ein Zeichen für die Freundschaft zwischen beiden Ländern.“ Illustriert wird diese Darstellung durch das Foto eines von Ramstein startenden Militärflugzeugs.

Nun sei dahingestellt, ob die Fluglärm-geplagte Bevölkerung im Raum Kaiserslautern die Militäraktivitäten um Ramstein als Zeichen der Freundschaft empfindet. Auch die menschenrechtlich problematischen Auswirkungen der von Ramstein ausgehenden Militäreinsätze sind zugegebenermaßen ein für Kinder nicht leicht zu vermittelndes komplexes Themenfeld. Dennoch hätte ich erwartet, dass die Verfasser eines für Kinder bestimmten Informationsartikels (!) von jeder verharmlosenden militärischen Engführung des Themas Völkerfreundschaft absehen.

Besser Buch vorstellen

Nach meiner Auffassung lebt Völkerfreundschaft im Gegensatz zu einer militärischen Waffenbrüderschaft vom zivilgesellschaftlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg. Aktive Städtepartnerschaften, ein kontinuierlicher Schüleraustausch, Sportbegegnungen, inspirierende Kultur-, Musik- und Kunstprojekte und so weiter, wie sie erfreulicherweise auch unsere Beziehungen zu vielfältigen Zielgruppen in den USA bestimmen, sind Kindern leicht und unzweideutig verständlich zu machen.

Vielleicht wäre der „MM“ im vorliegenden Fall besser beraten gewesen, anstelle fragwürdiger „Kindernachrichten“ einen friedenspädagogisch anregenden Kinderbuch-Klassiker vorzustellen.

Friedhelm Schneider, Mannheim

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