Leserbrief

Leserbrief Umweltfreundlich reisen mit der Bahn?

Kraftakte am Bahnhof

Schönes Wetter, ein paar Tage Urlaub, Vorfreude schon bei der Urlaubsplanung. Wir sind vier Freunde und möchten gerne umweltfreundlich reisen. Ist doch gar nicht so schwer.

Wir packen die Fahrräder und fahren zunächst einmal zu unserem ersten Ziel vom Bahnhof Lauda aus mit der Deutschen Bahn AG nach Haßfurt am Main. Von da aus soll es mit dem Fahrrad nach Volkach gehen, wo ein nettes Quartier für die Nacht auf uns wartet. Am zweiten Tag planen wir die Weiterfahrt mit dem Fahrrad bis zum Hauptbahnhof Würzburg, von da mit der Bahn nach Lauda zurück.

Am Schalter des Bahnhofs Lauda werden wir sehr höflich und umfassend über den billigsten Gruppentarif informiert. Na, klappt doch alles prima. Dann kann es ja losgehen. Dass man die vier Fahrräder mit Gepäck am Bahnsteig in Lauda in den Zug wuchten muss, was soll's wir sind ja noch nicht ganz verrostet, wenn auch schon 60 Jahre auf dem Buckel lasten. Der freundliche Angestellte der Westfranken Bahn hat uns so nett bedient, dass wir über diesen kleinen Kraftakt hinwegsehen können.

Umsteigen am Hauptbahnhof Würzburg. Nun sind wir der Deutschen Bahn AG ausgeliefert. Eine Unterführung vom Ankunftsgleis zwei zu unserem Abfahrtgleis 11 finden wir mühelos, nachdem wir die vier Fahrräder wieder aus dem Zug herausgewuchtet haben. Macht nichts, wir sind ja fit. Eilig hasten wir durch den Tunnel zu Gleis 11, denn es bleiben uns nach der vierminütigen Verspätung des ersten Zuges nur knapp zehn Minuten zum Umsteigen. Staunend stehen wir dann vor dem Ende des Tunnels, der leider nur bis Gleis zehn reicht.

Erste Flüche werden laut, weil wir nun die Fahrräder mit Gepäck die Treppen von Gleis zehn herunterschleppen müssen, um dasselbe auf Gleis elf noch einmal treppaufwärts zu vollbringen. Mit Schweißperlen auf der Stirn, nicht stubenreinen Flüchen auf den Lippen und auch nicht mehr so fit, wuchten wir schließlich die Fahrräder in den Zug, der sofort abfährt. Wir haben es buchstäblich in letzter Sekunde geschafft. Unsere Kondition wurde ganz schön auf den Prüfstand gesetzt. Und dafür haben wir auch noch fünf Euro pro Fahrrad bezahlt.

Aber wir wurden mit einer herrlichen Zweitagesradtour am Main belohnt. Wieder am Bahnhof Würzburg angekommen, wollen wir am Infoschalter wissen, wie man zum Beispiel als Rollstuhlfahrer oder mit einem Kinderwagen die Bahngleise erreichen kann. Ja, die Möglichkeit gäbe es, nur wir dürfen sie nicht wahrnehmen. Wir sind ja nur Radfahrer, klang aus der äußerst unfreundlichen Antwort heraus. Man erklärt uns, dass die Unfallgefahr zu groß sei. Wir staunen. Aha, Unfallgefahr, darum hat man die Rampe geschlossen. Wahrscheinlich ist es ungefährlicher mit den Fahrrädern die Treppen herunterzufallen. Wir und beenden die Debatte. Schließlich fährt unser Zug in 15 Minuten.

Die Angestellte der Deutschen Bahn ignoriert unsere Eile, wird noch unfreundlicher, da wir sie belästigen und nicht den Automaten, dessen Nerven nicht strapazierfähig sind . Mürrisch sucht sie den von uns gewünschten Gruppentarif für das Bayernticket heraus, was 36 Euro kosten soll. Uns trifft der Schlag. Geht es vielleicht auch billiger? So viel Hilfsbereitschaft sollte man von einer Angestellten der Deutschen Bahn nicht erwarten. Noch einen Tick unfreundlicher und dem Seufzer "Radfahrer" sucht sie betont langsam einen Einzelfahrkartentarif heraus, pro Person 6 Euro 40.

Uns lagen viele Fragen auf der Zunge, aber die Zeit drängte. Während wir verärgert unsere Räder über die Treppe zum Gleis 2 wuchten denken wir noch einmal kopfschüttelnd über die Unfallgefahr nach. Im Zug nach Lauda beschließen wir, unsere nächste "teilökologische" Reise mit dem Auto und Radgepäckträger zu unternehmen.