Leserbrief

Krisen als Katalysator

Zur Debatte „Wie können Unternehmen nach der Krise wieder wachsen, Herr Spiering?“ vom 6. Juni:

Defizite bei Unternehmen standen immer als Synonyme für Brandbeschleuniger. Über kurz oder lang, dafür bedurfte es keiner expliziten Krise, führten Schwachstellen ins unternehmerische Abseits. Es betrifft meist klein- und mittelständische Unternehmen, in geringeren Maße Große oder Konzerne. Eine Reihe von Gründen stehen dafür: fehlende Flexibilität, fehlende Markt-Kundennähe, Liquiditätsengpässe oder niedrige – bis geringe Innovationsfähigkeit, mitunter eine falsche Preispolitik.

Die Liste ist lang! In der historischen außergewöhnlichen Krisenzeit, wie wir sie augenblicklich erleben, stellt es so Unternehmen/Unternehmer zusätzlich vor schier unlösbare Aufgaben. Unter diesen Umständen tröstet auch nicht, wenn es heißt: „Im Jahr 2028 könnte Deutschland wieder an den ,alten Wachstumspfad’ anknüpfen.“ An dessen Stelle geht es um Perspektiven, die sich mittelfristig als erfolgversprechend auftun.

Das ist nicht bloß bedeutsam für Unternehmen und deren Anteilseigner, sondern ebenso für Arbeitnehmer und deren Familien, das Gemeinwohl schlechthin (soziale Kompetenz, Steuern). In vielen Branchen bleibt ungewiss, ob die liquiden Mittel, die der Staat zur Verfügung stellt, die Darlehen oder Stundungen, die die Banken ermöglichen, überhaupt eine Überlebenschance bieten. Wer bereits vor der Krise strukturell geschwächt war, nun in aller Härte diesem Dilemma ausgesetzt ist, muss nach tiefgreifenderen Ursachen forschen. Dafür muss der Unternehmer mit allen Mitverantwortlichen die Fehlerquellen eruieren – lückenlos.

Um neue oder veränderte Strukturen tragfähig zu gestalten darf es keine Tabus geben. Vertrauen auf Gegenseitigkeit sind per se eine unabdingbare Größe; allerdings auch außerhalb Krisenzeiten mit hoher Relevanz belegt. Primär ist es die Aufgabe der Unternehmensführung, die Weichen dahingehend – jeweils proportional zum Wachstum – zu stellen.

Richtungsweisende Schlüsse

Vertrauen leitet sich ab von Zutrauen! Keine Frage, die Resilienz, also die Widerstandskraft eines Unternehmens, drückt sich nicht ausschließlich in monetären Mittel und/oder deren Finanzkraft, sondern auch, mehr denn in früheren Jahre, an der Innovationskraft. Spätestens in solch prekären Situationen sind ganzheitliche Betrachtung des Unternehmertums, vom Organigramm, über Human Resources bis zum Markt, von der technologischen Innovationskraft bis zur Finanzwirtschaft, essenzielle Wegbegleiter. Es versteht sich von selbst, dass Strategie- und Zielformulierung von den Visionen abgeleitet werden, damit die Mitarbeitenden den Rahmen ihrer Handlungsfähigkeit nutzen können.

Krisen haben uns schließlich zu allen Epochen als Katalysator gedient und Fragen nach Veränderungen aufgeworfen; so wird es diesmal auch sein. Längst sind wir im Prozess der Findung; vorausgesetzt wir ziehen die richtungsweisenden Schlüsse erfolgreich, gelingt dies.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2VDY589