Leserbrief

Kritik an Bürgermeister-Treffen

Zum Artikel „Ich war wirklich entsetzt“ vom 8. August:

Die Propaganda in diesem Video, die von Abu Sneineh ausgeht, ist ein Skandal, der nicht nur Mannheimer Juden irritieren sollte, sondern jeden Bürger unabhängig von seiner Religion. Ich teile die Auffassung, dass Entwicklungsprojekte, so wie auch von Mannheim angestoßen, sinnvolle politische Aktivitäten sein können.

Wenn man allerdings glaubt, dass politischer Extremismus mit Entwicklungsprojekten zu bekämpfen wäre, dann ist dies eine Fehleinschätzung. Die überaus großzügige Finanzierung palästinensischer Projekte durch die europäischen Länder erreichte und erreicht meist nicht ihre Ziele, sondern fließt in den Bau von unterirdischen Terrortunnel, den Bau von Privatimmobilien oder Geldanlagen, oft genug in der Schweiz deponiert. Abu Sneineh hat sich in Mannheim zur friedlichen Koexistenz bekannt. Seine Strategie lässt sich gut durchschauen, seine Reden in der Heimat propagieren einen anderen Inhalt wie im Ausland.

Wenn er Terror verherrlicht, arbeitet er einer friedlichen Koexistenz entgegen. Es ist hinlänglich bekannt, dass auch in Hebron Terrorattentäter zu Märtyrern ihrer Gräueltaten erhoben werden. Und nicht nur das! Es werden lebenslange Renten für die Hinterbliebenen der Attentäter gezahlt. Renten, die aus den europäischen Geldern nachweislich finanziert werden. Sehr geehrter Herr Scholl, dieses Thema, das mit moralischen Grenzen, mit Ursachen von Terror und vielem anderen zu tun hat, geht uns alle an. Warum heben Sie deshalb explizit auf den Befindlichkeiten und Emotionen der Mannheimer Juden ab? Es sind Themen, die alle in der Gesellschaft angehen. Es stört mich, wenn eine besondere Haltung in der Gedenkkultur hervorgehoben wird. 

Die scheint mir selbstverständlich in einer Demokratie, die aus dem Umgang mit der Vergangenheit immer wieder Lehren für die Gegenwart und Zukunft ziehen kann. Ich leite daraus keine Zurückhaltung im politischen Diskurs ab, sondern eher die Verpflichtung, politisch wachsam zu sein.  (von Orna Marhöfer, Mannheim) 

Solch ein Fauxpas dürfte eigentlich nicht passieren. Es wäre doch organisatorisch vonseiten Stadtverwaltung ein Leichtes gewesen, das rechtzeitig im Vorfeld zu recherchieren und nicht einen Straftäter mit diplomatischen Ehren zu begrüßen; ein Schlag ins Gesicht von Betroffenen und Menschen, die so etwas demokratisch nicht begreifen können.

Auch sonst beweist das Rathaus oft kein Fingerspitzengefühl, wie zum Beispiel am Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes, wo über 200 Gemeinden in Deutschland die entsprechende Fahne hissen, aber Mannheim aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf den chinesischen Städte- und Handelspartner China natürlich nicht. Kalkül und Oberflächlichkeit statt Courage, peinlich!  (von Karin R. Lamadé, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2Ow3WWS