Leserbrief

Leserbrief: Zu "Auch Karl Seher war maßgeblich . . ." (FN, 13. März)

Kritik muss fair sein

Kritik ist gut und Kritik ist wichtig. Aber immer nur dann, wenn sie angebracht, fair und fundiert ist.

Wir wurden von Gerhard Seher nicht angesprochen. Über Zeitzeugen erfuhren wir, dass Gerhard Seher mit dem Inhalt unseres Beitrags zum Schüler-Bundeswettbewerb Geschichte des Bundespräsidenten nicht in allen Punkten einverstanden ist. Also haben wir die Initiative ergriffen und Herrn Seher angerufen.

Wie er auch an dieser Stelle schrieb, berichtete er uns davon, dass sein Vater unabhängig von Heinrich Herz und Anton Dinkel beim Anrücken der Amerikaner an der Altane der Burg weiße Leintücher als Zeichen der Kapitulation aufgehängt habe. Sehr sachlich kamen wir schließlich auf den gemeinsamen Nenner, dass wir davon nichts gewusst hatten, es sehr interessant sei, aber an der Geschichte von Herz und Dinkel nichts ändere. Dennoch boten wir an, uns mit Herrn Seher zusammenzusetzen und gemeinsam zu recherchieren. Kein Wertheimer Bürger, der so mutig war, sich für die Stadt einzusetzen, solle nicht genannt werden - unabhängig von unserer Geschichtsarbeit.

Nach einem Telefonnummernaustausch vereinbarten wir, dass Herr Seher zunächst im Archiv recherchieren werde, um Beweise zu sammeln, die er bis dahin nicht hatte, und wir uns im Laufe der nächsten Wochen bei ihm melden. Die Gelegenheit zu einem zweiten Gespräch bekamen wir jedoch nicht. Stattdessen mussten wir einen Leserbrief zur Kenntnis nehmen.

In ihm fragte Herr Seher, "(. . .) warum man von Seiten der Schule junge Menschen an ein so sensibles Thema setzt, ohne ihnen die nötigen Handreichungen für die Aufarbeitung historischer Dokumente zu geben", und warf uns damit vor, nicht sauber recherchiert zu haben. Dem haben wir Folgendes entgegenzusetzen:

Wir stellen uns die Frage, wie Herr Seher über unsere Recherchen urteilen können mag, ohne die Wettbewerbsarbeit je gelesen zu haben. Er stützt sich alleine auf den von ihm genannten Zeitungsartikel, der sicher keine Informationen über unsere Recherchen und/oder Quellen hergibt.

Es lässt sich nämlich Folgendes feststellen: Unsere Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Heinrich Herz und Anton Dinkel Helden waren, gemäß der Themavorgabe des Geschichtswettbewerbs "Helden - verehrt, verkannt, vergessen". Und unsere Feststellung, dass Dinkel und Herz die Stadt Wertheim wirklich gerettet haben, ist daher erwiesen, dass original amerikanische Militärdokumente den Beweis dafür enthalten, dass die US-Einheiten ausschließlich auf die weiße Flagge reagiert haben, die zwischenzeitlich wieder eingezogen worden war. Dabei kann es sich nur um die Flagge handeln, die auf dem Bergfried von Anton Dinkel und Theodor Strauss gehisst wurde.

Wie man merkt, haben wir in alle erdenklichen Richtungen recherchiert. Darüber hinaus haben wir uns nicht nur auf schriftliche Quellen verlassen, sondern auch Zeitzeugengespräche geführt, in denen der Name Karl Seher nie genannt worden war - von keinem.

Wie gesagt, das heißt nicht, dass Karl Seher diese Laken nicht aufgehängt haben muss, es hatte aber keinen Einfluss auf die von uns berichteten Ereignisse. Es gibt keinen Widerspruch, vielmehr weisen wir in unseren Berichten sogar darauf hin, dass schnell mehrere weiße Flaggen in Wertheim gesehen worden waren.

Abschließend können wir feststellen, dass wir uns keine Vorwürfe machen müssen, was die Genauigkeit unserer Recherchen angeht. In solch unvorstellbaren Kriegswirren, wie sie um die Osterzeit 1945 geherrscht haben, gibt es tausende Einzelschicksale, tausende verschiedene Aspekte. Wir haben einen wichtigen Aspekt aufgegriffen - einen.