Leserbrief

„Lahme“ Resignation

Zum Zeitzeichen „Wir lernen Englisch“ vom 28. Juli:

Falls der Autor Georg Spindler seinen Beitrag als Satire verstanden haben sollte, ist ihm das nicht so recht gelungen. Bei mir jedenfalls kommt das Ganze eher als etwas „lahme“ Resignation an.

Ein bisschen mehr „Pfeffer“ hätte ich von der „schreibenden Zunft“ schon erwartet. Zumindest hätte der Autor das in meinen Augen interessanteste Beispiel eines Bedeutungswandels von Lehnwörtern aus dem Englischen in der Sprache der Dichter und Denker zitieren sollen: „Public Viewing“. Bei uns denkt man da an Fußballspiele auf Videowänden, im Englischen handelt es sich dagegen um die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen (ein Schelm, wer da an die deutsche Sprache denkt!).

Schon früher bedroht

Das Deutsche war schon im 17. Jahrhundert von mehreren Sprachen bedroht. Neben dem in der Kirche, im Staat und an den Universitäten vorherrschenden Latein waren das Spanische und Italienische als damals modische Sprache des Wiener Hofes in Gebrauch. Das Italienische schlug sich im Bankenwesen nieder, das Niederländische im Fernhandel, das Französische diente als Sprache des Militärwesens und der Adligen. Die Reaktionen kamen schon früher in unterschiedlicher Vehemenz, aber immerhin.

Die deutsche Sprache hat es überlebt. Wie heutzutage reagiert wird, ist mir einfach zu zahm. Vorauseilender Gehorsam, vermeintliche Darstellung von Fremdsprachenkenntnissen, Hauptsache, man macht mit und zeigt, dass man „up to date“ ist.

Hildegard Thies, Mutterstadt

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