Leserbrief

Land mit alter Kultur

Zum Artikel „Deutsch – was ist das eigentlich?“ vom 27. Juni:

Ich habe Ihren Artikel „Deutsch - was ist das eigentlich?“ gelesen. Schon das „eigentlich“ hat mich daran gestört. Dass die Hälfte der in Stuttgart festgenommenen Randalierer keinen deutschen Pass besitzt, macht schon nachdenklich; schließlich stellen diese nicht die Hälfte der „Bevölkerung“ dar! Sie kommen anschließend zum Begriff der Leitkultur. Für mich als „Pälzer“ ist das ganz einfach die Kultur „vun de Leit“! Die Frage, ob wir überhaupt eine Leitkultur hätten, die ist die reine Unverschämtheit. Natürlich gibt es regionale Unterschiede, besonders zwischen Nord- und Süddeutschland, aber auch zwischen den von uns über 40 Jahre getrennten Bürgern. Der von den Siegermächten favorisierte Föderalismus, besonders auch in der Kulturhoheit, tat das Übrige.

Christliche Tradition

Trotzdem gab und gibt es eine Leitkultur, sie ist erwachsen aus dem christlichen Glauben, der unsere Rechtsprechung mehr als beeinflusst hat. Sie ist entstanden mit Luthers Bibelübersetzung und der Freiheit des Christenmenschen. Und sie ist auch entstanden durch Evolution und sanfte Revolution der Deutschen. Keiner der Punkte, die nach Ihrer Meinung das Deutschtum repräsentieren können, kann allein für Identität stehen. Aber die Summe aller Punkte definiert schon, was eine Voraussetzung darstellt, deutsch zu sein. Wie einst die Fürsten ist heute die Elite ohne Probleme mehr Weltbürger als das einfache Volk. Aber auch in der finstersten Provinz kann man Weltbürger sein, wie man an Immanuel Kant sieht, der nie aus ihr heraus gekommen ist. Auf das Miteinander kommt es an: stimmt! Wenn ich in ein anderes Land komme, schaue ich, was dort Gesetz und „Usus“ ist und verhalte mich entsprechend. Genau das muss man verlangen von Menschen, die zu uns kommen, um mit uns zu leben. Was in deren Heimatland gang und gäbe war, können sie hier nicht leben. Es ist hier kein Niemandsland, es ist ein Land mit alter Kultur! Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis. Klaus Tremmel, Ketsch

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2VvbxLt