Leserbrief

Latente Rassismus-Vorwürfe gegen die Polizei sind gaga

Zu den Kindernachrichten „Manche Kontrollen sind unfair“ vom 10. Juli:

Was soll so ein Artikel für Kinder? Eigentlich müssten Sie die Kinder darauf hinweisen, dass unsere Polizei den Rechtsstaat schützt, in dem sie und wir uns so schön frei bewegen können! Die Polizei ist in der jüngsten Vergangenheit stark unter Druck gekommen – siehe Stuttgart, Mannheim und so weiter. Spucken, Treten, Schlagen, Stühle und Steine werfen und so weiter. Und hätten Sie sich die Mühe gemacht und mit einigen Polizisten gesprochen, wäre Ihnen aufgefallen, dass es sich überwiegend nicht um „Racial Profiling“ handelt, sondern einfach um Erfahrungen aus tausenden Einsätzen.

Ausnahmen bestätigen die Regel und müssen hinterfragt werden, aber der Polizei generell einen latenten Rassismus vorzuwerfen, ist völlig gaga. Wie wäre es mit Artikeln wie:

1. Mama, wieso kaufst du dir schon wieder einen SUV?

2. Papa, wieso wird die Dreckschleuder GKM nicht schnell abgeschaltet?

3. Mama, lass uns in ein Schlachthaus gehen.

4. Papa, auf dem schönen alten Marktplatz habe ich die Sprache der Leute nicht verstanden.

5. Mama, warum sind so viele Autos in den Quadraten?

6. Opa, dein Diesel ist eine Dreckschleuder.

7. Papa, warum sind die Italiener sauer auf uns?

Ich weiß nicht, wer bei Ihnen für solche Artikel zuständig ist, aber der vom 10. Juli ist meines Erachtens daneben. Hmm, okay, kommt von der dpa. Und die sitzen in Berlin. Und da ist ja auch die „taz“. Ok, jetzt verstehe ich. Satire aus. (Von Michael Schäfer, Viernheim)

Einen größeren Unsinn als diese Kindernachrichten, offenbar aus einem Artikel der dpa übernommen, ist mir in letzter Zeit zu diesem Thema, außer von pathologischen Polizeihetzern, nicht untergekommen. Schon die Überschrift suggeriert, dass Polizeikontrollen (manchmal) unfair sind. Gleich danach wird der Spruch „die Polizei – dein Freund und Helfer“ in Abrede gestellt und in der Folge wird die Behauptung des „Racial Profiling“ ausgeschlachtet und im Artikel latent behauptet, dass dies augenscheinlich üblich bei unserer Polizei ist. Hierbei beruft man sich auf Behauptungen von angeblichen Fachleuten und Bekundungen von Betroffenen.

Es bleibt im Dunklen und schleierhaft, woher diese Fachleute ihre Erkenntnisse eigentlich haben. Kontrollen der Polizei schaffen Sicherheit! Sonst nichts. Und diese Kontrollen richten sich nicht nach der Hautfarbe oder an einem Kopftuch oder woran sonst der Redakteur die Herkunft oder Religion eines Menschen erkennen will, aus. Dazu bedarf es mehr.

Da kommen viele Komponenten zusammen, wie zum Beispiel Verhalten, Vorkenntnisse, die Örtlichkeit des Antreffens, vorherige Beobachtungen, eventuelle Ähnlichkeiten mit Fahndungsausschreibungen und noch so einiges mehr. Dies kann ich nach mehr als 40 Jahren Berufserfahrungen als Polizeibeamter mit Fug und Recht behaupten, ohne mich dazu, wie der Autor der dpa-Kindernachrichten, hinter derzeit politisch opportunen Behauptungen über Rassismus in der Polizei zu verstecken.

Seit gut zehn Jahren bin ich in der polizeilichen Prävention tätig. Ein großer Teil meiner Arbeit findet in Kindergärten und Grundschulen statt. Hier ist ein Bestandteil meiner Arbeit, den Kindern klarzumachen, dass die Polizei, ja der Polizeibeamte an sich, dazu da ist, zu helfen. Auch ihnen, den Kindern. Im Übrigen allen Kindern in der Klasse und der Schule, egal welche Hautfarbe oder sonstige Besonderheiten der eine oder die andere aufzuweisen haben.

Viel zu viele Eltern drohen auch heute noch: „Wenn du nicht brav bist, holt dich die Polizei“. Dieses früh vermittelte „Feindbild“ versuchen wir mit Erfolg bei den Kindern abzubauen. Dies gelingt uns in der Regel immer und nicht selten werde ich in der Folge, auch wenn ich privat unterwegs bin, von Kindern begrüßt. Ich freue mich immer über die Antworten der Kleinen auf die Frage der verwunderten Eltern, wer denn der fremde Mann ist: „Das ist doch der Herr Petzold – unser Polizist“. In diesem Sinne – vielen Dank für den Bärendienst, lieber Herr Redakteur. Schlecht gemacht. (Von Carsten Petzold, Schwetzingen)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3h1UGIb