Leserbrief

Leserbrief: Bahn AG setzt lieber auf Automaten statt auf Personal

Leistung wird nicht belohnt

Eine Informationsveranstaltung der Seniorenunion fand vor kurzem am Bahnsteig in Bad Mergentheim statt. Dort erklärte ein Mitarbeiter der Westfrankenbahn den Senioren wie der Fahrkarten-Automat funktioniert. . .

Senioren lernen dazu, das ist immer gut. Es kommt aber darauf an, was man lernt. Müssen aber Senioren lernen, wie man einen Bahn-Fahrkarten-Automaten bedient? Ich meine Nein.

Es sei denn, dass ich einen Preisvorteil habe, wenn ich mich in das Innenleben eines Roboters vertiefe, um schließlich eine Fahrkarte zu ergattern. Köstlich, wie Wolfgang Beier von der Frankenbahn den Senioren erklärte: Der Fahrpreis richte sich nach durchfahrenen Waben. Ein Wabenplan findet sich auf der Rückseite des Automaten (Schaukasten) am Bahnsteig.

Sie müssen also nun von der Vorderseite auf die Rückseite wechseln. Waben zählen, die sich auch merken, wieder schnell nach Vorne eilen und wenn nicht gerade ein Anderer jetzt den Automaten bearbeitet, ist dafür der Zug sicher schon abgefahren.

Seither wusste ich, dass es Erbsenzähler gibt und nun gibt es auch Wabenzähler. Die Bienen im Stock leben sich tot. Liebe Senioren - ich bin auch einer - warum lasst Ihr Euch das gefallen?

Die Bahn ist ein Dienstleistungsbetrieb, das war sie schon immer. Nur hat man früher gewusst, wie man mit den Menschen umzugehen hat. Beratung und auch Service war großgeschrieben. Nicht zuletzt waren das auch Arbeitsplätze. Heute soll sich - oder muss sich - der Mensch mit Robotern auf Augenhöhe herumschlagen. Wo bleibt denn die Menschenwürde, die sogar im Grundgesetz noch an hervorragender Stelle erwähnt wird?

Diesen Automatismus bei der Bahn kann man nicht Bahnchef Mehdorn in die Schuhe schieben, obwohl er die moderne Technik liebt.