Leserbrief

Lernen unterbricht Freizeit

Zum Artikel „24 233 gegen Turbo-Abi“ vom 8. Juni:

Bis vor wenigen Jahren hatten wir alle am Samstag Unterricht, in neun Jahren, also 360 Tage mehr als heute. Zudem konnten die Kinder keine Fächer abwählen. Heute können die Schüler die Fächer abwählen, die viel Zeit kosten. Sie müssen also nicht für alle Fächer lernen und sparen dadurch viel Zeit. Die meisten Eltern schicken ihr Kind ins Gymnasium, weil „mein Kind klug ist“. Die Empfehlung aus der Gesamtschule fällt bekanntlich weg. Viele sind dort aber überfordert und gestresst, bleiben sitzen oder müssen auf die Hauptschule zurück – wie peinlich! Für viele Kinder ist die Schule nur eine Nebenbeschäftigung. Sie singen im Kinderchor, lernen zwei Instrumente und haben zwei Mal in der Woche Fußballtraining.

Abiturienten-Schwemme

Im Sommer gehen sie am Freitag und Samstag baden — im Winter Skilaufen: Lernen ist nur eine „negative Unterbrechung der Freizeit“. In den Sommerferien gehen viele sechs Wochen auf Reisen. Die praktischen Begabungen werden oft vernachlässigt. Darum sind viele Lehrstellen unbesetzt – Handwerker fehlen: Wer repariert Ihr Auto, wer kontrolliert die Elektroschaltungen – den Fernseher? Wir haben eine Abiturienten-Schwemme! Bis zu 60 Prozent eines Altersjahrgangs. Jeder dritte Student ist überfordert und bricht ab. Die Uni überlegt, ob statt dem Abi eine Aufnahmeprüfung entscheidet. Georg Schumann, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2JXIxUE