Leserbrief

Leser schreiben zur Abschiebung einer albanischen Familie

Zum Artikel „Das war für uns ein Schock“ vom 15. Dezember:

Wie kann man bei dem katastrophalen Mangel an Pflegekräften in der Region zwei im Pflegebereich arbeitende, gut Deutsch sprechende Elternteile mit ihren offenbar bestens integrierten, ebenfalls gut Deutsch sprechenden Kindern im schulpflichtigen Alter ausweisen, nur weil die bestehende Rechtslage diese unsinnige Ausweisung erlaubt?

Wir suchen hier händeringend nach Pflegekräften, die wir von überall her mühsam anwerben müssen, und erlauben uns dann solche Schildbürgerstreiche. Das Argument, dass man mit einem Verzicht auf Ausweisungen in solchen Einzelfällen Anreize für eine ungebremste Arbeitsmigration biete, sticht absolut nicht. Schließlich lebten die Albaner bereits seit rund zwei Jahren in Deutschland und konnten sich wohl nur deshalb so toll integrieren. Das ist bei Neuzugängen und einer zügigen Entscheidung über ihre Asylanträge, die eine umgehende Abschiebung zur Folge haben, gar nicht möglich.

Es ist meines Erachtens zwingend erforderlich, dass die Behörden hier einen Ermessensspielraum erhalten, der es ihnen ermöglicht, zwischen verschiedenen Fällen auch unterschiedlich zu entscheiden: Zum Beispiel zwischen arbeitswilligen oder sogar schon in einem Arbeitsverhältnis befindlichen, gut integrierten Arbeitskräften, die wir dringend benötigen und jenen, die sich nicht um Arbeit bemühen, nicht die deutsche Sprache lernen und unserem Sozialsystem dauerhaft zur Last zu fallen drohen. So viel Beurteilungsvermögen dürfen und müssen wir unseren Staatsbediensteten schon zutrauen. Von Horst Kukuck, Mannheim

Es mag sein, dass juristisch alles mit rechten Dingen zuging. Aber von Menschlichkeit keine Spur, wenn Polizisten (denen ich ihr „Unwohlsein“ glaube) in voller Montur Kinder aus Kindergarten und Schule herausholen. „Sicheres Herkunftsland“ hin oder her: Muss man denn jeden abschieben, nur weil er – in diesem Fall – aus Albanien stammt? Es gab einmal den Grundsatz „Gnade vor Recht“. Bei einer gut integrierten Familie wie dieser, sprachlich und beruflich, wäre wieder darüber nachzudenken. Von Frank Hartmann, Mannheim

Es gibt Tage, da schäme ich mich, ein Bürger dieses Landes zu sein. Geltendes Recht ist eine Sache, aber eine solche Herzlosigkeit ist nur schwer zu ertragen. Da vertrödeln unsere ach so hoch gelobten Behörden zwei Jahre, um einen Asylantrag zu entscheiden. Und dann muss alles ganz schnell gehen. Nach dem Motto: Was Recht ist, kann nicht Unrecht sein.

Dass es hierbei um Menschen und deren Schicksal geht – wen interessiert das? Dieser Vorgang berührt mich zutiefst. Mein Mitgefühl gilt der Familie, und da vor allem den Kindern. Von Hanspeter Grether, Brühl

Ein Vorfall, bestens geeignet für einen Bericht der Journaille, um die Volksseele mit der „hässlichen Abschiebung“ zu konfrontieren. Einen besseren Fall konnten sich alle Gegner dieser Maßnahme gar nicht wünschen. Wie sinnvoll es ist, dass Asylbegehrende in einem Ankunftszentrum verbleiben, bis über deren Antrag entschieden ist, zeigt dieser Fall. Wie unsinnig eine Abschiebung sein kann, aber auch. Die Abschiebezahlen sind geradezu lächerlich, gemessen an abgelehnten Bewerbern und neuen Zuwanderungen.

Abschiebung darf nicht als Sensationsbericht herhalten, sondern muss zu einer gut durchdachten, permanenten Maßnahme werden, auch um möglichen Migranten zu signalisieren, dass sich der beschwerliche Weg nach Deutschland und dann wieder zurück, nicht lohnt. Von Peter Krebs, Mannheim

Wer soll das begreifen? Asylsuchende, die zu Straftätern werden, bekommen alle rechtlichen Möglichkeiten um ihre Abschiebung immer wieder abzuwenden, oder sie tauchen unter. Eine Familie, die sich ein neues Leben fern der Heimat aufgebaut hat, wird abgeschoben. Das ist ja auch leicht, man weiß, wo sie sich aufhält, weil sie sich an unsere Gesetze hält.

An den Pranger wird die Polizei gestellt, warum? Kein Polizist, der Familienvater ist, tut so etwas freiwillig. Das Versagen liegt bei der Politik. Was wird jetzt aus der Familie? Von Christiane Sobel, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2A5ycTO

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