Leserbrief

Leser schreiben zur Nennung von Nationalitäten bei Verdächtigen

Zum Leserbrief „Sprache mit Umsicht und Vorsicht nutzen“ vom 4.12.:

Mit dem Leserbrief von Herrn Colligs mag ich mich so überhaupt nicht anfreunden. Er moniert, dass die Redaktion des „MM“ abgedruckt hat, dass „..ein 40-jähriger Türke steht im Verdacht...“ und so weiter. Seine Kritik macht er daran fest, dass die Nationalität (hier türkisch) im Artikel erwähnt wurde.

Im Gegensatz von Herrn Colligs ist es für mich sehr wohl von Interesse, möglichst viele Details über die Beteiligten zu erhalten. Dies ist erforderlich zu meiner eigenen Einschätzung, die Zusammenhänge einer Straftat zu erfahren. Straftaten werden in den verschiedene Kulturkreisen ja auch unterschiedlich gesehen (verletzte Ehre, Ehebruch). So wird auch in den Berichten aus den Gerichtssälen verfahren (Alter, Geschlecht, Nationalität).

In vielen Fällen findet schon heute der Umkehrschluss Anwendung, indem geschrieben wird: „...der Täter ist/war Deutscher...“ Geht‘s noch? Der Versuch, der Tageszeitung hier einen Maulkorb umzuhängen, tangiert das Prinzip der Pressefreiheit und Ihre Zeitung geht sehr wohl mit großer Verantwortung ans Werk, was den hier gegenständlichen Sachverhalt betrifft.

Also meine Bitte an den „MM“: Weiter wie bisher über alle vorhandenen Details berichten und die Political Correctness nicht übertreiben. Eine lokale Tageszeitung macht auch nur dann Sinn, wenn über die Ereignisse im Verbreitungsgebiet voll umfänglich berichtet wird. Hier hat diese Form der Berichterstattung ein Quasimonopol gegenüber anderen Medien. (Klaus Hinkel, Schwetzingen)

Herr Colligs regt sich auf, weil in einer Zeitungsmeldung die Nationalität eines Tatverdächtigen vermerkt ist. Diese Reaktion ist verwunderlich. Und mir fallen bei der Einsortierung der Reaktion noch andere Adjektive ein. Sollte man sich nicht darüber aufregen, dass ein Gast in unserem Land mit einem Messer in der Hand andere Menschen verletzt?

Nehmen sie zur Kenntnis, Herr Colligs, dass es auch Ausländer bei uns gibt, die Straftaten, vom einfachen Diebstahl über Raub bis zum Mord verüben. In ihre Heimatstaaten dürfen sie, wie jetzt zum Beispiel Syrien nicht ausgewiesen werden, weil sie dort Gefahren ausgesetzt sind. Die Gefahr, die sie selbst in ihrem Gastland verbreiten, sollte dagegen aufgewogen werden und eine Abschiebung möglich sein.

In diesem Zusammenhang wundert es einen schon, dass bei einer veröffentlichten Täterbeschreibung oft die Hautfarbe, als elementares Erkennungszeichen, fehlt. Ich möchte bei Meldungen sehr gerne wissen, soweit der Datenschutz das zulässt, um was für einen Täter es sich gehandelt hat. Oder muss man wieder einen neuen Begriff für Alltägliches erfinden, nachdem „Zigeuner“ und „Nafri“ oder „Mohrenkopf“ als politisch unkorrekt gebrandmarkt worden sind? (Walter Brecht, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2EnZ0CA