Leserbrief

Leser zum geplanten Radweg

Zum Artikel „Spaziergang gegen den Radweg“ vom 10. Dezember:

Wow. Diese Logik ist so verdreht, dass man sie zwei Mal lesen muss: Der BUND demonstriert gegen einen Radweg? Als Familie mit mehreren kleinen Kindern das Auto so oft wie möglich stehenzulassen, ist ein Vorsatz, der in Mannheim nicht leicht umzusetzen ist. Selbst wo Radwege vorhanden sind, verlaufen sie oft auf oder dicht an stark befahrenen Straßen und sind gern zugeparkt – neben der Gefahr, die für einen Meter kleine Leute dabei von dem Verkehr ausgeht, sind da die Abgase in den Lungen noch gar nicht thematisiert.

Kleingeist vertreiben

Wer sich in Anbetracht dessen nicht zu schade ist, einen sichereren, gesünderen Radweg mit einer vierspurigen Schnellstraße zu vergleichen, diejenige möge getrost in ihrer Blase weiterleben. Alle anderen Petitenten müssen sich fragen lassen, ob die Klimawende so zu stemmen sein wird. Denn Aktionen wie die Ihre, Herr Schuy, spalten bei aller Liebe zur Orchidee diejenigen, die dringender zusammenarbeiten sollten denn je.

Deshalb: Come on, Feudenheim. Vertreibt den Kleingeist aus den Kleingärten, beschäftigt eure Juristen mit drängenderen umweltpolitischen Anliegen und zeigt, dass ihr „visionärer könnt“ als DAS! (von Gwendolyn Whittaker, Mannheim)

Klimawandel ist im Augenblick das dominierende Thema der Politik. Auch in Mannheim? Daran muss man zweifeln. Zwar bereist unser Oberbürgermeister die ganze Welt vorzugsweise klimaneutral mit dem Flugzeug und verbreitet die frohe Mär, Mannheim sei ein Modell für die Welt, ein Modell für eine vorbildliche, zukunftsweisende ökologische Kommunalpolitik, Mannheim sei ökologisch betrachtet das Maß aller Dinge.

Aber Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier ziemlich weit auseinander. Die Versiegelung der Stadt schreitet für jeden erkennbar unaufhaltsam voran, die Natur befindet sich leider fast überall auf dem Rückzug. Absoluter Gipfel unnötiger Umweltzerstörung in Mannheim ist die geplante Anlage eines Radwegs mitten durch das Landschaftsschutzgebiet „Feudenheimer Au“, eines der letzten noch erhaltenen Naturreservate.

Dieser Radweg ist nichts anderes als eine vier Meter breite Betontrasse mit Beleuchtung, völlig unnötig und auch noch sehr teuer. Unnötig vor allem deswegen, weil es in der Au schon viele Jahre einen sehr akzeptablen Radweg gibt, dessen Instandsetzung kostengünstiger und mit weniger Naturzerstörung verbunden wäre.

Beginn vollständiger Zerstörung

Um diesen ökologischen Wahnsinn trotzdem durchzusetzen, verweist die Stadt auf Erkenntnisse angeblich unabhängiger, neutraler Gutachter, die der Radautobahn mitten durch die Au die beste Ökobilanz aller möglichen Alternativen attestieren. Das ist für mich unverständlich: Eine Betontrasse mitten durch die Natur wird ökologisch besser beurteilt als ein bestehender, sehr gut ausgebauter Radweg, für den keine weitere Natur und auch keine Kleingärten geopfert werden müssten. Auch die geplante Entsiegelung bestehender, versiegelter Wege schaffen dafür keinen Ausgleich. Im Gegenteil: für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator würde der Besuch der Au dann sogar deutlich schwieriger werden.

Schlussendlich steht der Radweg für den Beginn der endgültigen und vollständigen Zerstörung eines der letzten noch erhaltenen Naturreservate und für die Beseitigung von Kleingärten in der Au, unersetzbarer Biotope für uns schmutz- und lärmgeplagte Stadtbewohner. (von Brigitte Franz, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/36ukcAL 

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