Leserbrief

Leser zum Hass auf reiche Menschen

Zum Debattenbeitrag „Woher kommt der Hass auf reiche Menschen, Herr Zitelmann?“ vom 16. März:

Mich stört zunächst einmal, dass Ihre Zeitung mit „Hass“ in der Titelzeile einen Begriff verwendet, der häufig von Stimmungsmachern und Ideologen wahllos verwendet wird, um Menschen anderer Meinung zu diskreditieren. Es geht in der überwiegenden Mehrzahl wohl eher um Vorbehalte oder eine gewisse Abneigung, vor allem um Störungen im Gerechtigkeitsempfinden, nicht aber um ein Superlativ von Ablehnung im Sinne von Hass.

Zum eigentlichen Thema: Man muss sehr differenzieren. Den generellen Sozialneid, der auch im Artikel anklingt, sehe ich nicht. Beispielsweise wird man kaum jemanden finden, der Wolfgang Grupp oder gar Reinhold Würth und vielen anderen nicht den Reichtum gönnt, selbst wenn es um Milliarden geht. Das sind Menschen, deren Reichtum als verdient empfunden wird. Sie haben den Reichtum nicht primär unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung erworben. Er steht in Relation zur Lebensleistung. Sie werden ihren steuerlichen, sozialen und sonstigen Verpflichtungen gerecht und beziehen nicht fragwürdige Leistungen vom Staat oder hinterziehen gar Steuern.

Nein, sie zeigen im Betrieb und darüber hinaus sogar besonderes soziales Engagement. Das sind die wesentlichen Punkte, die Personen dieser Art von anderen unterscheidet, denen man den Reichtum eher nicht gönnt. Es geht letztlich im Kern um das Gerechtigkeitsempfinden, das darüber entscheidet, ob Reichtum akzeptiert wird oder nicht. (Hubert Berberich, Mannheim)

Zu viel des Guten löst auch Missgunst und Neid aus. Doch warum darf nicht jemand mehr haben können als andere, die mit etwas Anderem ihr Dasein verbringen? Wir leben in einer Haben-Gesellschaft und davon möglichst immer noch mehr? Mit dem geringsten Aufwand den höchsten Ertrag zu erwirtschaften. Das wird auch in der Politik oft so kundgetan. Was macht das mit uns selbst, mit unserer Gesellschaft, mit dieser ganzen Welt? Dieses ewige „Ich will – Hauptsache vor allem Ich erst einmal“.

Wenn zum Beispiel Großkonzerne dafür sorgen, dass ihre höchsten Manager geradezu „im Geld schwimmen“, die Meinung hierbei vertreten, das sei halt mal nun so ein angemessenes internationales Gebaren. Doch auch die Aktionäre peilen jedes Jahr nach fetten Dividenden und das sind zumeist Normalbürger wie du und ich. Dann löst das etwas bei denen aus, die davon nur träumen können.

Vom weisen Buddha stammt der Vorschlag, sich auf dem goldenen Mittelweg zu bewegen, Abstand zu nehmen von Extremen. Bei der Neid-Debatte besteht die Gefahr auch darin, wenn wir hier alles zu verallgemeinern beginnen. Es gibt genug mittelständische Betriebe, denen es ein echtes Anliegen ist, dass ihre Mitarbeiter unbedingt am Wohlstand Anteil nehmen können. Wie viel Chancen werden diese Betriebe in der Zukunft haben, im knallharten, internationalen Wettbewerb? (Manfred Fischer, Mannheim)

Leider ist der Autor in seinem Beitrag die Erklärung auf die Frage schuldig geblieben. Er sammelt einige Eckdaten zu nationalen und internationalen Vorkommnissen, über die Anhäufung des Kapitals in vergleichsweise wenigen Händen (Minderheiten) und geißelt die Missgunst des Volkes. Laut Wikipedia ist „Kapital“ in der Soziologie die Ressource, die den Menschen für die Durchführung ihrer Ziele zur Verfügung steht.

Wenn beispielsweise Immobilienbesitzer oder Banker relativ viel vom vorhandenen Kapital für sich behalten, hat der Mieter oder Bankkunde weniger, um seine eigenen Wünsche zu realisieren. Handelt es sich noch wie bei Nahrungsmitteln oder Wohnraum um Spekulationsobjekte der Grundbedürfnisse, steigt der Ärger noch mehr, warum kann aber daraus Hass entstehen? Geldgier ist die Wurzel allen Übels, lehrt schon die Bibel. So haben sich auch linksgerichtete Systeme immer den Mechanismen des Kapitalismus bedient, als Monopolist die Verteilung der vorhandenen Ressourcen übernommen und nie vergessen, sich dafür üppig zu entlohnen.

(Ver)teilen ist eine Eigenschaft, die wir als eine der vielen Begleiterscheinung des Kapitalismus verlernt haben. Wenn wir meinen, dass die zur Verteilung beauftragten Politiker unser subjektives Gerechtigkeitsempfinden durch ihr Handeln befriedigen, werden wir schnell eines Besseren belehrt. Sie sind Menschen wie wir und in der Demokratie entscheiden die Mehrheitsverhältnisse über die Verteilungsmechanismen.

So sollte jeder aufkommenden Hass zuerst mit der Überprüfung seiner selbst bekämpfen, seine eigene Einstellung objektiv in Bezug auf Haben und Sein (Besitz und persönliches Handeln) beleuchten. Blüht der Hass trotzdem weiter, sollte man den Reichen betrachten, wie er es zu Wohlstand gebracht hat, um eigenen Neid und Missgunst als Ursachen des Hasses ausschließen zu können. Hat der Wohlhabende moralisch zweifelhaft Reichtum erlangt, und so Hassgefühle ausgelöst, so ist die Saat seines Tuns auf fruchtbaren Boden gestoßen, Boden, der Hass zulässt. So entsteht der Hass. Als bekennender Christ vermute ich, dass Gott weder Gefallen an dem Einen noch dem Anderen hat. (Jörg Biberacher, Mannheim)

Was soll an einer nüchternen Betrachtung des „Kapitalismus“ neu sein? Durch Hand- und Kopfarbeit reicht’s ganz selten zum Millionär. Anders sieht es aus, wenn Erbschaften eine Rolle spielen. Grund und Boden sind eine solide Plattform, aber nicht vermehrbar. Jeder ist aber auf diese beiden irgendwo angewiesen. Der Bauer, der Hausbauer, denn zum Wohnen braucht es eben den den Baugrund.

Grund und Boden werden zur „Ware“ gemacht. Dann geht es los, was alle brauchen, ist in wenigen Händen schnell eine beherrschende Größe. Diese Entwicklung lässt sich passgenau auf andere Sektoren übertragen. Nahrung, Kleidung, Wohnung und Bildung (Kita – Uni), dies alles wird von Allen gebraucht, wird aber von immer weniger „Besitzern“ gesteuert.

Ist das dann der harmlose Besitz oder ist es bereits Kapitalismus? Nein, es sind immer noch „Leibhaftige“ mit Fleisch und Blut. Sie sind Menschen wie Du und Ich, leben in unserer etwas aufgeklärten, etwas christlichen Gemeinschaft. Spüren bestenfalls und ab und zu, dass ohne die Millionen Verbraucher ihre Konstruktionen keine Zukunft haben. Die Millionen machen Millionäre, nicht umgekehrt! Ihre Geschäftspolitik wird abgesichert, wenn eine kleine Schicht zu Teilhabern aufgemotzt wird. Sie sind das stützende Korsett, das zusammenhalten soll.

Mit Sprüchen wie „jeder ist seines Glückes Schmied“ oder „vom Tellerwäscher zum Millionär“ wird gerechtfertigt. Kritiker oder Analysten werden als „Neider“ betitelt. Diese verbale Gegenwehr, das zeigt die Geschichte, lässt sich problemlos steigern. Die Zeit der Daumenschrauben ist scheinbar vorbei, doch das Wesen, das in dem Drucksystem liegt, hat sich weiterentwickelt. Heute brauchen „sie“ diese physische Gewalt so nicht mehr. Heute sprechen „sie“ von Komplexität.

Ich wünsche unserer Gesellschaft, dass Politik und Wirtschaft sich ehrlich machen, offen sagen, wofür sie sind. Die Entwicklung geht weiter, das ist (fast) Naturgesetz, ob sie menschlich lebenswert bleibt? Eine Volkswirtschaft „das Volk wirtschaftet“ kann menschenfreundlich sein! Wenn dann noch Christen die „Schöpfung“ ernst nehmen, darf diese nicht dem Egoismus überlassen werden. (Wolfgang Heißler, Mannheim)

Endlich ein Artikel frei von Meinungsdiktatur, objektiv recherchiert und präsentiert. Wichtig finde ich die Bemerkung, wie wenig in der Schule über Versagen und Verbrechen in kommunistischen Ländern unterrichtet wird. Treffend ist auch die Kritik an den Medien, die pauschalisierend vor Minderheiten (Moslem) warnen, aber die „Reichen“ (Leistungsträger) pauschal, negativ abstempeln. Ein Lichtblick unter meistens ideologisch motivierten Kommentaren. (Eugen Heim, Oftersheim)

Ich bin doch etwas sprachlos über den Gastbeitrag. Auch wenn Sie Ihr Vermögen durch Fleiß und Intelligenz, Einfallsreichtum und Wagemut verdient haben, auch wenn Sie ganz offen zugeben, ein „Multimillionär“ zu sein, so fühle ich mich doch wieder hilflos meiner Frage ausgesetzt: „ Was machen Sie mit Ihrem vielen Geld und was könnten Sie alles damit Gutes tun?“ Natürlich sollen Sie einiges Ihres vielen Geldes behalten dürfen, das Sie im „Schweiße“ Ihres Angesichts verdient haben, aber muss es wirklich so viel sein? Stattdessen hauen sich die „Kleinen unten“ die Köpfe um einen Mindestlohn ein.

Noch mehr Wut geschürt

Meinen Sie nicht, dass die Schere da etwas zu weit aufgeht? Glauben Sie wirklich an die gerechte Bezahlung Ihres Fleißes, Wagemuts und Ihrer Intelligenz – im Gegensatz zum Fleiß und der Intelligenz und so weiter eines Geringverdieners? Und Einfallsreichtum muss ein Geringverdiener mit Verlaub auch an den Tag legen, um sein Leben zu organisieren und es zu finanzieren.

Nähme man einiges an dem Kapital, was einige Wenige, ich weiß nicht wozu, horten, könnte man vieles Elend in der Welt beseitigen. Das ist sehr naiv gedacht, aber es zielt tatsächlich auf eine Art gerechtere Verteilung des Kapitals hin. Da muss man nicht Enteignung als Reizwort zitieren! Im Sozialismus wie im Kapitalismus reichen sich die, die es an die Spitze geschafft haben und auch oben bleiben, wie auch immer sie das anstellen, die Hände. Ich denke, dass ein Mensch mit einer Million Euro adäquat entlohnt wäre. Der Rest sollte bitte wieder in die Solidargemeinschaft zurückfließen.

Sie polarisieren in Ihrem Beitrag in einer Art, die, wie ich finde, nur noch mehr Wut schürt. Aber wir da unten sind ja zu doof, die komplexen Zusammenhänge zu kapieren! Als historisch gebildeter Mensch dürfte Ihnen die Geschichte der kriegerischen Auseinandersetzung der Menschen und Ihrer Gründe geläufig sein. Es ging immer um Machterhalt, Besitztum und Abgrenzung. Auch wenn Sie noch fleißig so viele Bücher schreiben, Sie kommen mit Ihrem unsolidarischen, ich möchte fast sagen, empathielosen Denkansatz, den Menschenrechten kein Stück näher. (Eva Martin-Schneider, Heddesheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2upDA0B