Leserbrief

Leser zum Thema „Veränderungen“

Zum Debattenbeitrag „Welche Veränderung ist gut, Herr Quarch?“ vom 10. August:

Seine Denkweise, Überlegungen und Hinweise und so weiter sind mehr als beachtenswert. Ja! Es ist für den Homo sapiens und ludens ein Rezept für eine notwendige Überlebensstrategie. Oh! Es wäre mehr als wünschenswert, wenn wir Menschen, die wir uns Werkzeuge und technische Hilfsmittel herstellen und als höchstentwickeltes Wesen begreifen, auch als ein solches vernunftbegabtes Wesen verhalten würden.

Mögen seine Aussagen: „Wir müssen den Mut aufbringen zu fragen, was sinnvoll ist“, „Veränderung ist gut, wenn sie rückgebunden bleibt ans Große und Ganze der Natur“, „Veränderung ist gefährlich, wenn sie dem Willen und den Interessen einzelner geschuldet ist“, sich wie eine Epidemie über unsere geschundene Erde ausbreiten. Danke an den Ihre Zeitung! Ihre Beiträge sind „WOW!“

Veränderung muss sein, sonst säßen wir heute noch in der steinzeitlichen Höhle und gingen dem Höhlenbären mit der Keule nach. Wir haben uns inzwischen aber selbst überholt und sitzen bereits in dem „betonierten Becken“, ohne dass unser Steinzeitgehirn es merkt/wahrhaben will. Geschuldet dem Wort: „Seid fruchtbar und mehret euch“, also unserer schieren Masse; und noch etwas haben wir wörtlich genommen: „Macht euch die Erde untertan“. An Letzterem arbeiten wir derzeit so, dass wir Stück für Stück das Netz zerreißen, mit dem die Natur uns trägt.

Künstliche Intelligenz (KI) hin, Künstliche Intelligenz her. Aus einer anderen Debatte in Ihrer Zeitung stammt die Thesen des Urhebers: „Digitalisierung und Roboter – eine wunderbare Vorstellung.“ „Die künstliche Intelligenz ist vermutlich das perfideste und genialste, was die Menschheit bisher hervorgebracht hat.“ „Die Kosten für Mobilität werden etwa 80 bis 90 Prozent sinken, ebenfalls die Zahl der Unfalltoten und Verletzten“. (Den Rest der Jubelarien schenke ich mir).

Wozu Beides noch führt, muss man abwarten. Nur zum Beispiel: Das Auto ist noch nicht einmal 150 Jahre in der Welt und gehört heute bereits zu den großen Problemen. Derzeit nutzt man die wunderbare KI dazu, den Leuten das selbstständige Denken abzugewöhnen. Woher sollen sie dann die Kraft und das Wissen nehmen, dieses Denken auch noch zu ändern? Lesen und Schreiben können – fürs Volk einst eine große Errungenschaft, die das Denken beförderte – geht heute den Bach hinunter. Alles, was der Mensch glaubt zu beherrschen, wird er tun; sein Ehrgeiz ist reziprok seinen intellektuellen Fähigkeiten: „Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln“.

Eigentlich bin ich Optimistin, auch wenn mich ein Freund „Kassandra“ genannt hat. Die nach einem Götterbeschluss Unglück prophezeite, verbunden mit dem Fluch, dass niemand ihr Glauben schenkte. So übel, dass wir alles als überholt abtun könnten, war die „Klassische Antike“ nicht. Ich bin 76 Jahre alt, immer noch immens neugierig, beobachte, was um mich herum vorgeht und ziehe meine Schlüsse. Auch ich will nicht mehr in die Steinzeit zurück, nutze den Computer, werde langsam zu einem Ersatzteillager und bin dankbar, nicht bereits vor hundert Jahren zur Welt gekommen zu sein, als das alles noch nicht möglich war.

Ich lese für mein Leben gern, interessiere mich für (fast) alles und könnte wütend werden, beim Gedanken daran, dass alle diese wunderbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse über die (einzige) Welt, die wir haben, verlorengehen könnten, sollten wir weiter die einfachsten biologischen Grundlagen unserer Existenz missachten. Dazu gehört für mich auch die effektive Nutzung meines Gehirns, das mir die Evolution zum Denken gegeben hat und nicht zum Abrufen diverser KI-Angebote.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2KLHM41