Leserbrief

Leserbrief: Ist jetzt falsch und abwegig, was eben noch richtig war?

Zum Corona-Tagebuch „Der Bundeshorst“ vom 23. Juni:

Frau Marinic hat in den vergangenen Wochen im „Mannheimer Morgen“ eine Reihe von höchst kontroversen Texten veröffentlichen dürfen, aber mindestens dieser sollte nicht unwidersprochen bleiben. In ihrem „Tagebucheintrag“ vom 23. Juni wirft sie dem Bundesinnenminister vor, vorgeprescht zu sein und die Ereignisse in Stuttgart mit dem Beitrag einer „taz“-Kolumnistin in Verbindung gebracht zu haben, die gefordert hatte, Polizisten auf der Müllkippe zu entsorgen.

Und sie mokiert sich darüber, dass „Der Bundeshorst“, wie Frau Marinic abschätzig schreibt, davon gesprochen habe, dass eine solche „Enthemmung der Worte“ zu „Gewaltexzessen“ führe, „wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben“. Was denn nun Frau Marinic, ist jetzt falsch und abwegig, was eben noch richtig war, als es galt die AfD für den Mord an dem CDU-Politiker Lübcke und anderen dem rechtsradikalen Milieu zugeschriebenen Straftaten verantwortlich zu machen?

Hier nur zwei Kostproben von zahlreichen entsprechenden Äußerungen aus den Medien und der Politik: „Der rassistische Terror in Hanau führt uns erneut vor Augen, wie schnell aus Worten Taten werden können.“ Und „Solche Taten werden angefeuert von rechter Hetze, die . . . Menschen ihre Würde abspricht.“ (Katja Kipping, Die Linke) Oder: Die Worte der AfD „seien der „Nährboden für gewaltbereite rechte Taten“ (A. Spiegel, Bündnis 90/Die Grünen). Wenn es um die Hetzparolen der linken Aktivistin Hengameh Yaghoobifarah geht, soll alles nur Satire sein? Die Ankündigung des Innenministers Seehofer (inzwischen zurückgenommen, d. Red), die Möglichkeit einer Strafanzeige gegen die Kolumnistin zu prüfen, wird zuallererst von denen, die sonst bei jeder Gelegenheit, ein hartes Vorgehen des Rechtsstaats gegen Hass und Hetze von rechts fordern, als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet.

Dass sich Frau Marinic von Seehofers Ankündigung einer eventuellen Anzeige „an Erdogan und was er seit Jahren mit seinen Intellektuellen veranstaltet“ erinnert fühlt, ist geradezu unglaublich! Eine derartige Analogie herzustellen, ist nicht nur abwegig, sondern böswillig und eine Entgleisung, wie ich sie im „MM“ nicht erwartet hätte! Eine Strafanzeige kann unter Umständen zur Eröffnung eines rechtsstaatlichen Verfahrens vor einem deutschen Gericht führen und ist nicht im Entferntesten mit dem Schicksal von tausenden von Intellektuellen in der Türkei unter dem Erdogan-Regime vergleichbar. Wenn die „taz“-Kolumnistin und Aktivistin Yaghoobifarah unter dem Titel „All cops are berufsunfähig“ geschrieben hat, Polizisten gehörten auf „die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen . . . sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten“ ist das menschenverachtend und wird in dem politischen Milieu, dem sich Marinic nach meiner Einschätzung zugehörig fühlt, gerne als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet.

Der unsägliche Text ist auch keineswegs ein einmaliger Ausrutscher dieser Person. Wer sich durch ihre „taz“-Kolumnen-Texte quält, findet massenhaft Beispiele von Hass und Hetze gegen alles Deutsche und das Land, in dem sie freiwillig lebt, dessen Kultur sie aber als „Dreckskultur“ bezeichnet: Deutsche sind nichts als „Kartoffeln“ oder „Lauchs“, eine weiße Frau ist eine „white bitch“, Frauen, die es gewagt haben, sich der MeToo-Bewegung zu verschließen, sind „Schweine“, und sie vermutet, dass „Almans“ – also Deutsche – „Rex & Co. als ihresgleichen betrachten, weil sie oft selber Hunde sind“. Alles Satire, oder doch Hetztiraden übelster Art?

Hätte Frau Marinic, die das verharmlost und relativiert, die „FAZ“ nicht selektiv gelesen, hätte sie auch den Kommentar von Constantin van Lijnden („FAZ.NET“ 17. Juni 2020) gefunden, der unter dem Titel „Die Müllabfuhr der ,taz’“ die berechtigte Frage aufwirft: „Warum bringt die ,taz’, die sonst gerne gegen ,Hass im Netz’ anschreibt, Texte, die – mit vertauschten Feindbildern, ansonsten wortgleich – in rechten Hetzblättern stehen könnten?“

Als Abonnent stellt sich mir abschließend die Frage, warum der „Mannheimer Morgen“ der Frau Marinic seit Wochen täglich die Möglichkeit bietet, ihre zweifelhaften persönlichen Weltanschauungen und politischen Ansichten seinen Lesern und damit einer breiten Öffentlichkeit darzubieten, anstatt ihr „Tagebuch“ – wie es ansonsten üblich ist – verschlossen und für sich zu behalten. (Heinz Herbert Noll, Ladenburg)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/383N30J

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