Leserbrief

Leserbriefschreiber hat Vorteile von Beamten einfach „vergessen“

Zum Leserbrief „Beamten-Besoldung von Entwicklung abgekoppelt“ vom 30. Juni:

Der Leserbriefschreiber und Beamte Hans Guggenheim sieht eine Benachteiligung von Beamten beim Einkommen. Doch leider hat er ein paar Vorteile von Beamten einfach „vergessen“. Das ist auch die übliche Praxis der Beamtenlobby. Zur Besoldung kommen zunächst noch Zulagen. Und Beamte zahlen im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern keine Abgaben für die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung.

Dazu kommt ein sehr sicherer Arbeitsplatz. Und wegen dieser beispiellosen Arbeitsplatzsicherheit bekommt selbst ein junger Beamter problemlos einen Kredit, zum Beispiel für eine Wohnung. Ein junger Mitarbeiter in der freien Wirtschaft eher nicht. Von Zeitarbeitern oder Leiharbeitern ganz zu schweigen. Auch der „Beamtentarif“ (Rabatt für alle Versicherungen) wurde vergessen. Diese Rabatte zahlen andere Versicherungsnehmer mit. Und was ist mit der gegenüber Rentnern überproportionalen Altersversorgung? Und was mit dem zusätzlichen Kindergeld für Beamte?

Dazu kommt noch die für den Steuerzahler sehr teure „Beihilfe“. Herr Guggenheim bezeichnete die richtigen Aussagen des Kommentators Stefan Vetter dazu als „vollkommener Unsinn“. Tatsache ist aber doch: Beamte erhalten je nach Familiensituation 50 bis 80 Prozent ihrer Krankheitskosten zunächst vom „Staat“ (Steuerzahler) ersetzt. Und sie sind privat krankenversichert. Nur die restlichen Kosten müssen von ihnen selbst versichert werden. Deshalb auch Restkosten-Versicherung genannt.

Damit haben Beamte die besseren Leistungen als Privatversicherte. Nur günstiger. Die Beihilfe-Subvention erhöht sich bei Pensionären sogar auf 70 Prozent. Beamte sind also sehr günstig abgesichert, was das verfügbare Einkommen erhöht. Plus die hohe Pension. Berücksichtigen muss man dabei noch, dass in den kommenden Jahren gigantische Pensionszahlungen („Pensionslasten“) auf die Steuerzahler zukommen. Mit steigender Tendenz. Und zu alledem soll auch noch ein Streikrecht hinzukommen? Genau das ist Rosinenpickerei, wie auch Stefan Vetter im Kommentar schreibt.

Der andere Teil der Wahrheit betrifft die Leistung von Beamten. Selbst Herr Guggenheim hatte in einem früheren Leserbrief die Leistungsbeurteilung bei Beamten als praxisfremd bezeichnet. Und wenn man mit der freien Wirtschaft vergleicht, so ist zu berücksichtigen, dass dort allein wegen des großen Wettbewerbsdrucks eine ganz andere Arbeitsgeschwindigkeit und Kundenorientierung stattfinden muss. Und was sind die Ursachen der vielen Beamtenwitze, in denen Beamte seit Jahrzehnten als langsam bis arbeitsscheu bezeichnet werden? Ganz aktuell könnte ich das auch anhand zweier Praxisbeispiele nachdrücklich belegen.

In einem früheren Leserbrief hatte Herr Guggenheim sogar gefordert, dass die Besoldungserhöhungen automatisch – wie bei Abgeordneten – erfolgen sollten. Das würde das Leistungsprinzip dann völlig außer Kraft setzen. Wenn Herr Guggenheim die diversen leistungsfreien Vorteile beziehungsweise Privilegien für Beamte also einfach weglässt, so möchte er auf diese offenbar verzichten und lieber ein an der Leistung orientiertes Einkommen haben?! Einverstanden! Denn eines ist doch klar: Die totale Sicherheit eines Beamten und der fehlende Wettbewerb fördern nicht unbedingt die Leistungsbereitschaft.

Besser wäre es, wenn wirklich engagierte Beamte – diese gibt es selbstverständlich auch – spürbar besser entlohnt würden als aktuell. Und andererseits sollten viele vorwiegend sicherheitsorientierte Staatsdiener entsprechend weniger erhalten. Privilegien ohne Leistungsbezug sollten auf jeden Fall entfallen. Das wäre besser für die leistungsbereiten Beamten, würde das Image von Beamten generell verbessern und wäre letztlich auch für die Gesellschaft von Vorteil. Und darum geht es ja schließlich.

Beamte können froh sein, dass sie praktisch in allen drei Säulen der Gewaltenteilung in der Mehrheit sind und ihre Privilegien so bisher verteidigen konnten. Und Beamte sind schon deshalb in Parlamenten überproportional vertreten, weil sie risikolos in die Politik gehen können, denn ihr Arbeitsplatz wird freigehalten. Ein Mitarbeiter aus der freien Wirtschaft trägt hier das Risiko ganz allein. Auch hier eine Privilegierung von Beamten.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2vPsBPj