Leserbrief

Lob und Kritik für Demonstranten

Zum Artikel „Grosskraftwerk: Blockade-Aktion endet friedlich“ vom 5. August:

Das neue Kohlekraftwerk Block 9 war von Anfang an umstritten. Die friedliche Demo dort ist okay. Das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) ist eines der modernsten Kohlekraftwerke mit Anschluss für die Fernwärmeversorgung. Daher ist der Gesamtwirkungsgrad entsprechend hoch. Der Block 9 konnte nur dadurch genehmigt und gebaut werden, weil dort alte Blöcke mit geringerem Wirkungsgrad und höherer Schadstoffbelastung vom Netz genommen wurden. Steinkohle ist weniger belastend als die dreckige Braunkohle.

Mehr Dialog gefordert

Daher ist die Abschaltung der ältesten Braunkohlekraftwerke mit der größten Luftverschmutzung zuerst geboten und das möglichst beginnend noch in diesem Jahr. Enddatum für den Kohle-Ausstieg soll 2030 sein. Ich fordere mehr Dialog und Transparenz:

1. Das GKM muss mindestens einmal jährlich alle Emissionen in der örtlichen Zeitung veröffentlichen.

2. Es ist zu prüfen, inwieweit ein Umstieg auf Gasbetrieb möglich ist, gegebenenfalls zuerst nur teilweise umsteigen.

3. Die Fernwärme weiter ausbauen und allmählich durch saisonale Wärmespeicher ergänzen oder komplett ersetzen.

4. Es ist zu prüfen, ob eine Umrüstung auf bedarfsorientierte Stromlieferung möglich ist (Dampferzeugung und Speicherung auf Vorrat).

Ich fordere darüber hinaus: Wenn eine Handvoll Leute uns weismachen will, dass es keinen Klimawandel gäbe, diese aber irren, was dann? Was wird aus unseren Enkelkindern? Wegrennen geht nicht und eine zweite Welt ist auch nicht in Sicht. Es wird Zeit, diese wahnsinnige Umweltverschmutzung und Zerstörung von Natur und Landschaft umgehend zu beenden. Eigentum verpflichtet. (Heinrich Ill, Mannheim) 

Man fragt sich, warum die Aktivisten von „Ende Gelände“ ausgerechnet die Branche attackieren, die seit 1990 am meisten für den Rückgang der Treibhausgase getan hat: die Stromerzeugung. Stromerzeugung und Industrie haben mit der Umwandlung erneuerbarer Energien, Kraft-Wärme-Kopplung, Energierückgewinnung und dem Einsatz moderner Technik bisher die größten Beiträge zur CO2-Einsparung geleistet. Dazu zählt auch das GKM. Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft und Wohnungen (Wärmedämmung) haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht und sind verantwortlich, dass die deutschen Klimaziele bis 2020 nicht erreicht werden.

Somit sehe ich in der Aktion für die sofortige Abschaltung des GKM ein Ablenkungsmanöver, über das sich Auto-, Fleisch- und Wohnungskonzerne freuen können. Solange der „Grünstrom“ noch nicht grundlastfähig und der Ausbau seiner Netze und Speichermöglichkeiten nicht vollendet ist, wird das GKM benötigt. Selbst wenn die letzten Kernkraftwerke bis 2022 und die Kohleblöcke bis 2038 vom Netz sind, werden im GKM ein oder zwei Kombiblöcke für die Netzstabilisierung und die Fernwärmeversorgung benötigt. (Joachim Schubert, Mannheim) 

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2YB8fcY